Bild: COMECE

Bischöfe der Europäischen Union: Aufruf zur Einheit

 

BRÜSSEL / MÜNCHEN. „Wir sind zu unserem Glück vereint“, erklärte Bbr. Reinhard Kardinal Marx, Präsident der ComECE und Erzbischof von München und Freising, in seiner Rede zur Eröffnung der diesjährigen Herbstvollversammlung der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) vom 21.-23. November in Brüssel. In seiner Ansprache zu aktuellen Herausforderungen für die Europäische Union und dem Beitrag der Christen rief er dazu auf, das europäische Projekt neu zu (er-)finden. „Wir Europäer sind im Frieden vereint, um nach Glück und Wohlstand für uns und die ganze Welt zu streben. Diese Formel nicht nur zu behaupten, sondern auch die Menschen in Europa dafür einzunehmen und einen neuen Aufbruch zu wagen – darauf wird es meiner Ansicht nach in den kommenden Jahren ankommen.“

 

„Geeint und solidarisch bleiben“

 

Die derzeit der Bevölkerung der Eurozone zugemuteten Opfer dürften nicht gegen den Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit verstoßen, forderten die Bischöfe der ComECE, und appellierten an ihre Mitbürger, in der Krise geeint und solidarisch zu bleiben. Als eigener Beitrag soll in den kommenden Monaten mit dem katholischen Netzwerk Caritas Europa eine Stärkung der innereuropäischen Solidarität der Kirche auf den Weg gebracht werden, eine europäische Gebetsinitiative von Christen und religiösen Gemeinschaften aller Länder soll die gegenseitige Verbundenheit auch geistlich stärker verdeutlichen. Zudem wollen die von den Bischofskonferenzen in der EU delegierten Bischöfe der ComECE den europäischen Einigungsprozess durch eine sozialethische Reflexion besser begleiten. Zum neuen Generalsekretär benannten die Bischöfe Patrick H. Daly, Priester der Diözese Birmingham, der ab Januar 2013 sein dreijähriges Mandat antreten wird.

 

Aufruf zur Überwindung nationalen Denkens

 

„Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Europa eine Familie ist, die über Nation, Stadt und Dorf hinausgeht“, unterstrich Bbr. Erzbischof Marx am 24. November bei einem Pontifikalamt im Freisinger Mariendom zu Ehren des Bistumsheiligen St. Korbinian. Als Volk Gottes inmitten der Vielfalt der Völker müssten die Christen und die Kirche sich in Politik und Gesellschaft einbringen: „Denn wenn Europa eine Zukunft haben will, braucht sie das hoffnungsvolle Zeugnis der Christen“, betonte Marx und warb für die Gebetsinitiative der ComECE. „Es muss uns berühren, wie es den Menschen in Griechenland, Portugal oder Spanien geht. Wir diskutieren immer über Europa und die Krise, aber beten wir auch für Europa und die Menschen, die besonders unter dieser Krise leiden.“.

 

Eine neue Dimension der Gemeinschaft

 

Marx erinnerte daran, dass im 8. Jahrhundert Missionare wie der Heilige Korbinian die Idee nach Europa gebracht hätten, dass „Christus alle Menschen sammeln möchte, damit ein Volk entsteht, dass nicht mehr gebunden ist an Kultur, Nation, Sprache, Stamm, Sippe oder Familie“. Christus rufe die Menschheit dazu auf, „in eine neue Dimension und Qualität der Gemeinschaft einzutreten“. Das Volk Gottes sei jedoch nicht für sich selbst da, sondern müsse inmitten der Völker aufzeigen, dass etwas Neues notwendig ist, „damit die Menschen sich nicht im Materiellen verkriechen, sondern ihre Berufung zu einem höheren Ziel erkennen“. Daher müssten Christen in Europa Zeichen der Caritas und der gelebten Solidarität setzen und daran erinnern: „Europa ist mehr, als nur den Wohlstand zu verteidigen. Daher braucht es eine neue Fortschrittsidee und eine neue Konzeption von Wachstum, in der es darum geht, was Leben und was den Menschen wirklich ausmacht.“

 

Blick auf Christus

 

In der Kirche seien bereits viele am Werk, „Mütter und Väter, Lehrer, Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten und Ehrenamtliche“, damit die Menschen „nicht stehen bleiben, wo sie sind, sondern sich neu zu Gott und in die Kirche rufen lassen“. Dies könne insbesondere in der gemeinsamen Feier der Eucharistie geschehen. „Ich weiß darum, dass sich viele um die Zukunft des Sonntagsgottesdienstes sorgen und ich teile diese Sorge“, sagte der Kardinal. Diese Angst könne man mit dem Blick auf Christus vertreiben: „Es geht nicht darum, dass wir an möglichst vielen Orten möglichst viele Eucharistiefeiern begehen. Wichtiger ist die Frage, ob wir die Eucharistiefeier zu unserem Sammlungspunkt, zum Mittelpunkt unseres Leben machen und von ihr eine Ausstrahlung und Sendung in die Gesellschaft hinein ausgeht.“ Daher müssten die Christen auch weiterhin für den Schutz des Sonntags kämpfen. (kbr)

 


 

Quellen:

Bischöfe der Europäischen Union: Aufruf zur Einheit. COMECE Herbstvollversammlung 2012

Orginaltext der Predigt von Kardinal Marx in Freising, auch als Audio

03.10.2012: Bbr. Kardinal Marx: „Wir sind unterwegs als Europäer“

02.10.2012: Bbr. Kardinal Reinhard Marx zur Euro-Krise

 




Veröffentlicht am: 12:40:56 26.11.2012
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