„Deutsche sind zum besonderen Engagement
für die Zukunft Europas verpflichtet“

Appell von Bbr. Kardinal Reinhard Marx beim
Ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit

 

MÜNCHEN. Die vor 22 Jahren erreichte Wiedervereinigung Deutschlands verpflichtet nach Auffassung von Kardinal Reinhard Marx gerade die Deutschen zum besonderen Engagement für die Zukunft Europas.

„Wir sind nicht alleine als Deutsche unterwegs, sondern wir sind unterwegs als Europäer“, sagte der Erzbischof von München und Freising beim ökumenischen Gottesdienst in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael am Mittwoch, 3. Oktober, anlässlich der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der bayerischen Landeshauptstadt. „Ohne die Gemeinschaft in Europa gäbe es vermutlich keine Deutsche Einheit. Weil wir das wissen, setzen wir uns ein für ein Europa der Solidarität. So können und wollen wir als Europäer einen Beitrag für eine bessere Welt leisten“, so Marx.

 

Die Rückbesinnung auf das in der jüngsten deutschen Geschichte Geschehene erfülle mit Dankbarkeit, betonte der Kardinal: „Ebenso lässt die Einheit unsere Verantwortung und die Erwartungen an uns deutlicher zu Tage treten. Denn sie ist ein Zeichen des Vertrauens und Zutrauens unserer Nachbarn, Ausdruck einer Bereitschaft, in Europa neue gemeinsame Wege zu gehen, ohne Furcht und Vorbehalte gegeneinander.“

 

Suche nach der neuen Identität Europas

 

Vor allem in einer Zeit, in der Europa in der Krise sei, vergäßen die Deutschen nicht, dass die Deutsche Einheit ein „Vertrauensschub im Zusammenleben der Staaten in Europa“ sei. „Unser geeintes Land in Europa ist Gabe und Aufgabe! Wir brauchen ein Zukunftsbild von Europa, das über die Fragen von Währung, Wirtschaft und Finanzen hinausgeht“, forderte Marx, der auch Vorsitzender der Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen ist. Gerade die Christen sähen sich bei der Suche nach der neuen Identität Europas in einer besonderen Verantwortung.

 

Der Münchner Erzbischof verwies auf die lange christliche Glaubensgeschichte des Kontinents: „Es ist die Überzeugung, dass der Mensch auf Gott bezogen ist, über sich selbst, seine eigene Kraft und sein Können hinaus. Es ist das Wissen, dass der Mensch das Leben nicht macht, sondern geschenkt bekommt und verantworten muss.“ Der Gottesbezug der deutschen und der europäischen Tradition wolle im Grunde eines festhalten, erklärte Marx: „Wir sind nicht Gott! Der Mensch darf nicht alles, was er kann. Wir glauben: Nur in der doppelten Bezogenheit auf Gott und die Mitmenschen hin kann das Leben der Menschen gelingen.“

 

Dankbarkeit für das kostbare Geschenk der Freiheit

 

Der Kardinal erinnerte auch an das Leid, das die Jahrzehnte der Teilung Deutschlands über die Menschen gebracht hatten: „Viele haben die Trennung in den eigenen Familien erlebt und schmerzlich erfahren.“ Zugleich hätten viele trotz aller Unfreiheit ihr Leben als aufrechte Bürger und als Christen gestaltet. Es sei dann wie ein Wunder gewesen, als sich im Herbst 1989 die Grenzen öffneten und Menschen aus Ost und West einander wieder frei begegnen konnten. Für das kostbare Geschenk der Freiheit seien die Deutschen heute dankbar. „Vieles ist in den vergangenen 22 Jahren an gegenseitigem Verständnis entstanden: Wir wissen, dass wir zusammengehören! Wir bauen an einer chancengerechten Gesellschaft, denn keiner ist überflüssig. Jeder Mensch ist ein Bild des lebendigen Gottes“, sagte Marx.

Gemeinsam mit dem evangelisch-lutherischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und dem orthodoxen Metropoliten Augoustinos feierte Marx den ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit in der katholischen Jesuitenkirche St. Michael. Zu den zahlreichen geladenen hochrangigen Gästen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zählten Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der amtierende Bundesratspräsident und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sowie Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle. (kel, Erzbistum München und Freising)




Veröffentlicht am: 11:16:38 03.10.2012
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