UNITAS besuchte Franz Stock-Ausstellung
Auf Fahrt ins Sauerlandmuseum nach Arnsberg
ESSEN / ARNSBERG. Die Ruhr-UNITAS ging am Samstag, 30. Juni, auf Fahrt nach Arnsberg. Ziel war das Sauerlandmuseum mit der Ausstellung „Franz Stock und der Weg nach Europa" – ein Thema, das bei der UNITAS Ruhrania in den vergangenen Jahren immer wieder in unterschiedlicher Weise aufgegriffen worden war. …
Das Sauerland-Museum in Arnsberg, das zentrale Museum des Hochsauerlandkreises, zeigt seit dem 20. Mai einen Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft: Den aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Priester Franz Stock. Eine wichtige und beeindruckende Ausstellung, für die der deutsche Botschafter in Paris, Reinhard Schäfers, und der französische Botschafter in Berlin, Maurice Gourdault-Montagne, die Schirmherrschaft gemeinsam übernahmen. Zu sehen sind noch bis zum 26. August zahlreiche Exponate aus dem Leben des aus Neheim stammenden Seelsorgers, der sich schon seit Jugendtagen brennend für das Nachbarland Frankreich interessierte.
Zeitzeuge im Gespräch
Seine tragischen Erfahrungen als Seelsorger der deutschen Gemeinde in Paris während des Zweiten Weltkrieges werden in erschütternden Zeugnissen deutlich: Das zeigte die Führung durch Thomas Bertram vom Franz-Stock-Komitee. Darüber hinaus kamen die Teilnehmer an der UNITAS-Fahrt auch mit einem Zeitzeugen ins Gespräch: Buchautor Dieter Lanz hat Franz Stock noch persönlich kennengelernt (Abbé Franz Stock: Kein Name - ein Programm. Das christliche Europa, eine reale Vision, 259 Seiten mit 80 zum Teil farbigen Abbildungen, überarbeitete und aktualisierte Auflage 2001, Bonifatius Verlag, Paderborn, ISBN / Code: 978-3-89710-198-2).
Lebensstationen
In vieler Hinsicht war Franz Stock eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Am 21. September 1904 in Neheim als erstes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, schloss er sich schon als Schüler dem Bund Neudeutschland (ND) und später der Quickbornbewegung an. Ihr geistlicher Mentor war Bbr. Romano Guardini (1885-1968), 1927-1933 Mitglied der Bundesleitung und 1927-1939 Burgleiter des Bundeszentrums Burg Rothenfels. Franz Stock nahm 1926 das Studium der Theologie in Paderborn auf, ging Ostern 1928 für drei Semester nach Paris und studierte am Institut Catholique – als der erste deutsche Theologiestudent in Frankreich seit dem Mittelalter. Am 12. März 1932 wurde er durch den Paderborner Erzbischof Dr. Caspar Klein zum Priester geweiht und wirkte zunächst als Priester in Gemeinden bei Lippstadt und in Dortmund. Hier lernte er neben Französisch noch Polnisch und Russisch, um sich als Vikar in Dortmund-Eving mit den vielen aus Polen und Russland stammenden Gemeindemitgliedern verständigen zu können, die auf den großen Zechen- und Kokereianlagen arbeiteten.
„Der Seelsorger in der Hölle“
Als 1934 der zuständige Kölner Erzbischof Kardinal Schulte einen Geistlichen für die Leitung der deutschen Gemeinde in Paris sucht, fällt die Wahl auf Stock. Noch im selben Jahr wird er zum dortigen Rektor ernannt. Hier war bald Hilfe für politische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei zu leisten und kurz vor Ausbruch des Krieges musste er Paris verlassen. Er übernahm Vertretungssstellen in Dortmund-Bodelschwingh und in der Nähe von Magdeburg. 1940 erneut zum Seelsorger der Deutschen in Paris ernannt, begann er mit seiner Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen Fresnes, La Santé und Cherche Midi, wo er die Häftlinge in den Gefängnissen betreute und über 2.000 Erschießungen beiwohnen musste. Die Franzosen gaben Franz Stock die Bezeichnung „L'Aumônier de l'enfer“ („Der Seelsorger der Hölle“) und „L'Archange en enfer“ („Der Erzengel in der Hölle“).
1945 nahm Stock eine neue Aufgabe an: die Gründung eines Priesterseminars im Gefangenenlager Dépôt 501 bei Chartres, das er bis 1947 als Regens leitete. Es ging unter der Bezeichnung „Stacheldrahtseminar“ in die Geschichte ein. Insgesamt 949 Dozenten, Priester, Brüder und Seminaristen aus Deutschland und Österreich waren im Verlauf der zwei Jahre dort. Am 24. Februar 1948 starb Abbé Franz Stock, noch keine 44 Jahre alt, plötzlich in Paris. Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., nahm seine Einsegnung vor und erklärte: „Abbé Franz Stock - das ist kein Name - das ist ein Programm!“ Die katholische Kirche hat 2009 das Seligsprechungsverfahren für Stock eröffnet.
Internet: www.franz-stock.de.
Download: Flyer_Franz Stock und der Weg nach Europa deutsch [pdf, 1.032,51 Kilobyte].
LINKS:
07.02.2012 Termine in dieser Woche: Convent und Morgensitzung
17.07.2007 UNITAS-Zirkel Essen auf den Spuren von Abbé Franz Stock
17.07.2007 Abbé Franz Stock: UV-Zirkelfahrt nach Neheim
07.07.2007 Exkursion nach Neheim-Hüsten am 17. Juli 2007
05.07.2007 Abbé Franz Stock - Anmeldung für Zirkel-Fahrt nach Neheim läuft
10.06.2005 Deutsch-Französische Freundschaft
