„Kirche ist kein Instrument

der Trennung und Ausgrenzung“

 

Predigt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, zum Pfingstfest: „Gesellschaft braucht eine Kirche, die ohne Angst und mit Ja zur Vielfalt das Evangelium verkündet“

 

MÜNCHEN, 25. Mai 2012. Die Botschaft von Pfingsten hat auch soziale Konsequenzen, unterstrich Bbr. Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt am Pfingstsonntag, 27. Mai, bei einem Pontifikalamt im Münchner Liebfrauendom: „Es geht darum, jedem und jeder eine Chance zu geben zur Entfaltung der eigenen Möglichkeiten, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Es geht um eine dynamische Chancengerechtigkeit, die die Vielfalt menschlichen Lebens und auch die Realität des Scheiterns anerkennt“, sagte der Erzbischof von München und Freising.

„Die pfingstliche Kirche ist in unserer Gesellschaft eine Kraft der Integration, des Verstehens, der möglichen Gemeinschaft und Einheit in der Vielfalt. Sie ist kein Instrument der Trennung und der Ausgrenzung“, so Marx.

 

Dynamik von Feuer und Sturm

 

Die Bilder des Pfingstereignisses faszinierten ihn immer wieder neu: „Starke Bilder von der Vertreibung der Angst, der bunten Vielfalt der Sprachen und Kulturen, des Verstehens und des Mutes zum Zeugnis für das Evangelium“. Feuer und Sturm unterstrichen die Dynamik und den befreienden Schwung dieses Ereignisses, das die Welt grundlegend verändert habe und immer neu verändern könne.

 

Die Gaben des Heiligen Geistes

 

Der Heilige Geist befähige die Apostel, ihre Angst zu überwinden und in die kulturell und sprachlich sehr unterschiedliche damalige antike Welt mit ihrem Zeugnis für Christus hineinzugehen. „Evangelisierung führt nicht zur Uniformität, zur schlichten Vereinheitlichung von Kulturen und Sprachen, sondern zum Verstehen, zu gegenseitiger Annahme und Anerkennung“, erklärte der Kardinal: „Die Menschen sprechen unterschiedliche Sprachen, aber sie verstehen einander, sie erkennen in ihrer Unterschiedlichkeit, wie Christus sie weiterführt und voranbringt im Weg zur Wahrheit und zum richtigen und guten Leben.“ Das Evangelium ermögliche Verstehen, Gemeinschaft, Miteinander der verschiedenen Menschen mit ihren vielfältigen Lebenswegen, ihren sozialen und kulturellen Prägungen.

 

Offen für die Vielfalt des Lebens

 

Eine vom christlichen Glauben inspirierte Gesellschaft könne deshalb offen sein für die Vielfalt des menschlichen Lebens. „Sie hat keine Angst vor dem Anderen, dem Fremden. Gerade wenn unsere Gesellschaft in ihrer Kultur und Lebensweise vielfältiger wird, braucht sie umso mehr die Haltung der Anerkennung und des Respekts, die Offenheit für das Neue, die Kraft der Integration, die Bereitschaft, vom Anderen her zu denken“, sagte Marx.

 

Es gebe keinen Zweifel mehr daran, dass die moderne Gesellschaft vielfältiger werde. Dies habe auch für die Kirche Konsequenzen: „Die Gesellschaft braucht den Geist von Pfingsten und eine Kirche, die ohne Angst und mit einem Ja zur Vielfalt das Evangelium verkündet. Sie braucht eine Kirche, die mit fester Überzeugung und großer Offenheit inmitten einer manchmal sehr bunten und unübersichtlichen Welt die Wahrheit des Evangeliums allen Menschen anbietet.“ (kel)

 

Kardinal beginnt Vortragsreise in den USA

 

Am Dienstag startete Bbr. Kardinal Reinhard Marx zu einer Vortags- und Studienreise in die USA. Sie steht im Zeichen der Katholischen Soziallehre und der Frage nach einer gerechten Weltwirtschaftsordnung, die der Münchener Erzbischof auch beim Festakt zur 135. UNITAS-Generalversammlung in Münster (s. Bild oben) entfaltet hatte.

Bis zum 5. Juni hält Marx unter an­de­rem Vor­trä­ge an der George­town Uni­ver­si­ty in Wa­shing­ton sowie an der Uni­ver­si­tät in Chi­ca­go. In Wa­shing­ton spricht Marx zum Thema „Die Wirt­schafts­kri­se als Chan­ce zum Wan­del – ein christ­li­cher Bei­trag“. Der Kar­di­nal trifft mit Au­to­ren, Phi­lo­so­phen, Wis­sen­schaft­lern sowie den Erz­bi­schö­fen von Bos­ton und Chi­ca­go zu­sam­men. Marx tritt die Reise auch in sei­ner Funk­ti­on als Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on für ge­sell­schaft­li­che und so­zia­le Fra­gen der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz an.


 

Quelle: Erzbistum München und Freising
Zum Nachhören:
Die Predigt beim Münchener Kirchenradio




Veröffentlicht am: 13:57:23 29.05.2012
Info
Tipp: Falls Sie sich beim „gefällt mir"-Button verklickt haben, gehen sie über dem nun grauen „gefällt mir"-Button zum „Daumen Hoch"-Zeichen, dort erscheint nun ein „x" und mit einem kleinen Klick mit der linken Maustaste ist wieder alles wie zuvor. Uns würde es trotzdem sehr gefallen, wenn sie diesem Tipp nicht folgen.
Zurück zu: | allen Kategorien | WS 08/09 | SS 08 | Presse