Bbr. Pfr. Kirchhoff: „Klare Position gegen heutige Nazis“

Das Zeugnis der Lübecker Märtyrer und die Demos in Lübeck
 

LÜBECK. „Das Angedenken an die Lübecker Märtyrer Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller und Karl Friedrich Stellbrink verpflichtet uns“, erklärte der Vorsitzende der Lübecker ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen), Bbr. Pfarrer Joachim Kirchhoff (UNITAS Sugambria), vor der gestrigen Demo gegen den Neonazi-Aufmarsch in Lübeck. Er rief dazu auf, „jetzt erst recht“ dagegen zu demonstrieren: „Wir haben im vergangenen Sommer ihren Mut und ihre christliche Entschlossenheit zum Zeugnis gegen den Ungeist und die Untaten der Nationalsozialisten in der Seligsprechung gefeiert. Jetzt geht es darum gegen heutige Nazis öffentlich klare Position zu beziehen.“


Pfarrer Bundesbruder Joachim Kirchhoff, katholischer Seelsorger an der St. Birgittenkirche in Lübeck, mit dem Christusbanner seiner Gemeinde

 

Unter dem Motto „Lübeck ist bunt“ gedachten am Samstag Tausende Menschen mit insgesamt 16 friedlichen Demonstrationen, Kundgebungen und Prozessionen der Opfer der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten vor 70 Jahren in der Nacht auf den Palmsonntag 1942. Für den als „Trauermarsch“ angemeldeten Auftritt der rechtsextremen NPD waren statt angekündigter 300 etwa 120 Neonazis um den NPD-Mann Thomas Wulff nach Lübeck gereist, im „Bündnis gegen Rechts“ formierten sich zwischenzeitlich 2.500 Teilnehmer.

 

Die Stadt Lübeck hatte sich erfolglos gegen den Aufmarsch gewehrt, Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hatte die Demonstration der Rechtsextremen auch auf Drängen von Innenminister Klaus Schlie (CDU) zunächst verboten. Am vergangenen Donnerstag erlaubte das Oberverwaltungsgericht Schleswig die von der NPD angemeldete Veranstaltung in einem Eilverfahren endgültig, ein völliges Verbot der Demonstration verstoße gegen das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG). Sie musste sich allerdings auf ein 300 Meter langes Straßenstück hinter dem Hauptbahnhof beschränken. Unter den Gegendemonstranten waren zahlreiche Landes- und Bundespolitiker, darunter Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Torsten Geerdts, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Innenminister Klaus Schlie, Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe und Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig.

 

„Christsein und Rechtsextremismus passen nicht zusammen“

 

Hamburgs Erzbischof Dr. Werner Thissen erklärte bei einem ökumenischen Gebet für Frieden und Toleranz vor 500 Bürgerinnen und Bürger am Morgen in der Lübecker St. Marienkirche, Christsein und Rechtsextremismus passten nicht zusammen: „Es ist eindeutig, dass die christliche Botschaft zum Leben verhilft und es ist genauso eindeutig, dass rechtsradikale Parolen Leben verhindern, Leben einschränken und menschenverachtend sind. Deshalb kann das nicht zusammenpassen“, sagte Thissen: „Ich gehe selbstverständlich mit auf die Straße um meine eigene Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, dass Christsein und Rechtsextremismus nichts miteinander zu tun haben können. Aber auch um all die vielen Bürger zu unterstützen, die ebenfalls auf die Straße gehen.“

 

Auch Erzbischof Thissen berief sich in der Andacht auf die vier als „Lübecker Märtyrer“ bekannten Geistlichen - unter ihnen die Mitglieder der UNITAS Ruhrania Bbr. Johannes Prassek und Bbr. Eduard Müller - und den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink, der sich am Tag nach der Bombardierung dem Nationalsozialismus mutig entgegen gestellt habe, trotz des Wissens um die möglichen Konsequenzen. „Ihre Entscheidung für Christus hatte die Ablehnung von Rassismus und Angriffskrieg zur Folge.“ Auch heute müssten Kirche, Politik und Gesellschaft gemeinsam und mutig dem rechtsextremen Gedankengut entgegen treten. „Wir haben dabei nichts zu befürchten“, betonte Thissen, „umso wichtiger ist, dass wir uns bemerkbar machen“. Gerade im Hinblick auf das Leiden und Sterben von Jesus Christus müsse jedem klar sein muss, dass das christliche Leben ohne die Einmischung nicht zu denken sei. Ein an Unrecht und Ungerechtigkeit angepasster Glaube sei ohne Wert und Wirkung.

 

Quellen: Erzbistum Hamburg, Lübeck Live, Hamburger Abendblatt

 

 

UNSER DOSSIER: „Lübecker Märtyrer und Bbr. Georg Häfner - Bundesbrüder aus der UNITAS im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“



Veröffentlicht am: 13:25:54 01.04.2012
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