„Die Krise Europas ist eine Identitätskrise“

Weihnachtspredigt von Kardinal Reinhard Marx

 

MÜNCHEN. In seiner Weihnachtspredigt hat Bbr. Reinhard Kardinal Marx zu einer Rückbesinnung auf das christliche Menschenbild aufgerufen. „Die gegenwärtige Krise in Europa ist nicht nur eine Finanz- und Schuldenkrise, sondern auch eine Identitätskrise. Im Mittelpunkt muss das wahre und richtige Menschenbild stehen, wenn wir zukunftsfähig sein wollen. Und dieses Menschenbild hängt zusammen mit dem Bild Gottes und dem Bild des Menschen, wie es uns in Jesus Christus gezeigt wird“, sagte Marx an Heiligabend in der Christmette im Münchner Liebfrauendom.

 

Es geht nicht um die Zukunft des Euro

 

Der Erzbischof von München und Freising warnte davor, „alles nur noch mit einem Preis, einem Geldwert zu versehen und damit materialistisch zu verkürzen“. Das gelte auch für Europa. „Die Identität Europas ist nicht der Euro! So wichtig die Finanzen, das Geld, das Kaufen und Verkaufen, das Verbrauchen und Benutzen sind, es geht letztlich nicht um die Zukunft des Euro, sondern um die Zukunft des Menschen“, so Marx. Papst Benedikt XVI. habe bei seinem Deutschlandbesuch im vergangenen Herbst vor dem Bundestag deutlich gemacht, dass die Frage der Ökologie, also der Zukunftsfähigkeit der natürlichen Lebenswelt, viel umfassender gestellt werden müsse.

 

Der Heilige Vater habe davon gesprochen, dass es auch eine „Ökologie des Menschen“ gebe und dass auch der Mensch eine Natur habe, die er achten müsse und die er nicht beliebig manipulieren könne. Der Mensch sei nicht nur sich selbst machende Freiheit. Er sei Geist und Wille, aber er sei auch Natur, und sein Wille sei dann recht, wenn er auf die Natur achte, sie höre und sich annehme als der, der er sei und der sich nicht selbst gemacht habe. Gerade so und nur so vollziehe sich wahre menschliche Freiheit.

 

Schöpfungsgeschichte neu geschrieben

 

Marx erinnerte daran, dass an Weihnachten die Schöpfungsgeschichte neu geschrieben werde: „Denn in Jesus Christus lebt es sich nicht einfach wie vorher. Es werden Kräfte der Veränderung freigesetzt auf das Bild Gottes hin, das uns in Jesus, dem Kind von Bethlehem, gezeigt wird. Diese Kräfte nennen wir das Wirken des Heiligen Geistes, der Sturm des Gottes, der die ganze Schöpfung und auch diese neue Schöpfung ermöglicht“, sagte der Kardinal.

 

Dabei gehe es nicht nur um einen persönlichen Weg, es gehe auch um den Weg der Kirche insgesamt. „Von Weihnachten wird eine dynamische Verwandlung, eine ständige wahre Reform freigesetzt, auf Christus hin, den neuen Menschen, den neuen Adam, der das Bild des lebendigen Gottes ist“, so der Kardinal: „Diese weihnachtliche Verwandlung hat auch Europa und unsere bayerische Heimat zutiefst geprägt, immer wieder aufs Neue. Deswegen ist christlicher Glaube nicht einfach das Festhalten an allem und jedem, nicht eine starre Traditionspflege, sondern ein immer neuer Aufbruch und ein ständiges Zeugnis dafür, dass in Jesus Christus diese neue Welt endgültig Wirklichkeit geworden ist.“

 



Predigt von Kardinal Marx im Wortlaut (MP3)

Quelle: Erzbistum München und Freising




Veröffentlicht am: 18:26:03 28.12.2011
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