Erneute Ehrung für Bbr. Kardinal Reinhard Marx

Preis Soziale Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung

 

FRANKFURT. „Ich fühle mich bewegt und verstanden“, dankte Bbr. Kardinal Reinhard Marx gestern in der Frankfurter Paulskirche für den Preis Soziale Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Mit der undotierten Auszeichnung würdigte die Stiftung das herausragende Engagement des Kardinals für die Soziale Marktwirtschaft.

 

In seinen Werken, so die Jury unter dem Vorsitz von Jens Odewald, habe der Preisträger die Dimensionen der Marktwirtschaft, deren Bedingungen und deren Grenzen aufgezeigt. Er sehe bei der wirtschaftlichen Entwicklung einer Gesellschaft nicht allein die bessere materielle Ausstattung der Menschen, sondern auch die Erweiterung von Freiheiten. Ein Wirtschaftssystem ohne Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit habe nach Ansicht des Erzbischof von München und Freising, der vor seiner Ernennung zum Bischof Christliche Gesellschaftslehre lehrte, keine Moral und Zukunft.

 

Mit dem Ehrenpreis zeichnet die Konrad-Adenauer-Stiftung seit 2002 Menschen aus, die sich mit herausragendem unternehmerischem Handeln, aber auch durch die Wahrnehmung sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung um die Soziale Marktwirtschaft verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger waren neben anderen die Unternehmer Werner Otto, Helmut O. Maucher, Arend Oetker, Jochen Friedrich Kirchhoff und Hans Peter Stihl sowie die Sozialpolitiker Walter Riester und Regina Görner.

 

„Denker der Grundsatzorientierung“

 

„Die Marktwirtschaft auf ein Fundament fester Prinzipien und Wertvorstellungen zu stellen und sich dabei vom christlichen Menschenbild leiten zu lassen - diese Überzeugung verkörpert der diesjährige Preisträger auf außergewöhnliche Art“, begrüßte der Vorsitzende der Konrad Adenauer-Stiftung, Prof. Hans-Gert Pöttering (Bild links / KAS), das Votum der Jury. Die Laudatio hielt der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Paul Kirchhof. Er betonte, Marx setze bei seinen Überlegungen zur Ausgestaltung der Gesellschaft auf den einzelnen in seiner Freiheit und Würde. Marx handle aus einer „Freiheit der aufgeklärten Aufklärung“. Kirchhof würdigte den Erzbischof, als einen „Denker der Grundsatzorientierung“.

 

„Den Weg nach Jericho sicherer machen“


Es sei „nicht selbstverständlich“ sagt der bewegte Preisträger, dass ein katholischer Bischof eine solche Auszeichnung erhalte – zumal an diesem Ort. Dies sei eine Ermutigung für alle sozial Engagierten in der katholischen Kirche, erklärte Marx und erinnerte an den Mainzer Bischof
Wilhelm Emmanuel von Ketteler, der am 18. September des Revolutionsjahres 1848 an der selben Stelle in der Paulskirche gestanden habe und dessen Geburtstag sich an Weihnachten zum 200. Mal jährt. Ketteler habe als Pionier der kirchlichen Soziallehre gewusst, dass es nicht nur darum gehe, dem auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho unter die Räuber Gefallenen zu helfen. Man müsse auch politisch die Wege von Jerusalem nach Jericho sicherer machen, betonte Marx, der gerade kürzlich erst ein Buch über den ersten deutschen Sozialbischof vorlegte (s.u.).

 

Die Beschäftigung mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit und zum Aufbau eines gemeinwohlorientierten Gemeinwesens durch die Beteiligung aller sei „zutiefst religiös“ und gehöre zum „depositum fidei“, das aus der Mitte des Evangeliums, der Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu komme, unterstrich der Kardinal. Darin sehe er sich im Übrigen auch durch die Freiburger Ansprache von Papst Benedikt XVI. bestätigt.

 

Europäische Schicksalsfrage

 

In seiner Dankesrede forderte Marx, auch in Zeiten der Krise müsse über den Kapitalismus hinaus gedacht werden. „Die Soziale Marktwirtschaft ist keine Fußnote der Geschichte, sondern ein europäisches und globales Projekt, eine Aufgabe, der man sich täglich stellen muss.“ Es sei eine „Schicksalsfrage“, ob ein Gemeinwesen nach ihren Prinzipien auch praktisch auf europäischer und internationaler Ebene aufgebaut werden könne. Wichtig sei dazu nicht zuletzt eine Renaissance der Ordnungspolitik. „Europa muss sich als geistiger Motor der künftigen Entwicklung verstehen. Das ist unsere Aufgabe und da haben wir noch einiges zu tun“, sagte Bbr. Marx und kündigte eine Erklärung der Europäischen Bischofskonferenz an, die zu diesem Thema im Januar 2012 veröffentlicht werden soll. Ziel des Wirtschaftens sei es, den Menschen zu Freiheit, Würde, Gerechtigkeit und Glück zu verhelfen. Er mahnte: „Ziel und Mittel dürfen nicht vertauscht werden“. Der Markt dürfe nicht das Ziel werden.

 

Der 58-jährige Reinhard Marx ist seit 2008 Erzbischof von München und Freising und seit 2010 Kardinal. Nicht zuletzt mit seinen Büchern „Gerechtigkeit ist möglich. Zwischenrufe zur Lage des Sozialstaates“ (2004) und „Das Kapital. Eine Streitschrift (2008) hatte Kardinal Marx für Aufsehen gesorgt. Für letzteres erhielt er 2009 den internationalen Buchpreis Corine. Erst am 16. November 2011 war Bbr. Kardinal Marx „als herausragenden Anwalt und geistreichen Förderer der Sozialen Marktwirtschaft“ mit dem Ehrenpreis des Wirtschaftsbeirates Bayern ausgezeichnet worden, am 1. Dezember zudem mit der Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold. In der Deutschen Bi­schofs­kon­fe­renz ist Kardinal Marx Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on für ge­sell­schaft­li­che und so­zia­le Fra­gen.

 


 

LINKS:

Preisverleihung: Ehrung für Kardinal Reinhard Marx / Bayerisches Fernsehen

Hans-Gert Pöt­te­ring: Kar­di­nal Marx und die So­zia­le Markt­wirt­schaft / Münchener Kirchenradio

Preis Soziale Marktwirtschaft 2011 an Kardinal Marx verliehen / Konrad-Adenauer-Stiftung

„Politisches Engagement und Glaube gehören zusammen“. Kardinal Marx würdigt in Radiobeitrag 200. Geburtstag des Sozialbischofs Wilhelm Emmanuel Ketteler

 

Berichte: 

15.11.2011: Bbr. Kardinal Marx erhält Ehrenpreis des Wirtschaftsbeirates Bayern

01.12.2011: Bayerische Verfassungsmedaille für Bbr. Kardinal Marx

 

Buchhinweis:
Unter dem Titel „Christ sein heißt politisch sein. Wilhelm Emmanuel von Ketteler für heute gelesen“ hat Kardinal Reinhard Marx ein Buch über den ersten deutschen Sozialbischof vorgelegt. Es ist im Verlag Herder, ISBN 978-3-451-32428-4, erschienen.


Foto oben: Ebm. München und Freising

 




Veröffentlicht am: 13:14:31 08.12.2011
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