Die Schuldenlast wirkt sich für das Vereinsleben zunächst kritisch aus, die Mitgliederzahl sank zunächst auf 37. Auch im Verhältnis zwischen Alten Herren und Aktiven treten Probleme auf. Es geht vor allem um die Frage der studentischen Formen: altstudentisch mit überliefertem „Komment” oder neustudentisch, mit gelösteren Formen der Geselligkeit? Nach hitzigen Auseinandersetzungen auf zahllosen Konventen stellt sich die Mehrheit der Aktiven auf die altstudentische Tradition ein.

Fragen um Qualität der Programme und der Nachwuchses werden bald mit 17 neuen Mitgliedern beantwortet, Fahrten zum Benediktinerkloster in Gerleve, anspruchsvolle Semesterprogramme bewirken die Wende. Auch einige Theologen des Borromaeums, die zwei auswärtige Semester noch vor sich sahen, werden Ruhranen. 

Stark betrieben werden gemeinsamer Sport, Turnen, Schwimmen: Ein Ruhrane wird als erster von zwei Vertretern zum Universitäts-Wett-Turnen nach Halle entsandt, eine eigene Handballmannschaft erringt beachtliche Erfolge. Für ihre Arbeiten erreichen eine Reihe von Mitgliedern wissenschaftliche Preise.

Im Sommer 1925 beträgt die Zahl der ortsanwesenden Ruhranen noch 32 - trotz zahlreicher Philistrierungen. Das Vereinslokal, 1924/25 schon von „Appels” zum „Coerdehof”, dann etwa ein Jahr später nach Köchling verlegt, wird das Haus Hülsmann an der Überwasserkirche. Der häufigen Wechsel lässt den Gedanken an den Bau oder Erwerb eines eigenen Hauses aufkommen. 

Im Winter 1927/28 weist die Mitglieder-Statistik nach „Fakultäten” aus: theol. 18, jur. und rer. pol. 15, med. (dent.) 2, phil. 13, math. 12, rer. merc. 2. Anfang 1930 wird mit Dr. Freiburg-Rüter ein Ruhrane Gründungssenior der UNITAS-Greifswald.

1930 schaut die Korporation bei einer Mitgliederzahl von 66 (10 aktive Burschen, 16 Neufüchse) getrost in die Zukunft. Sinnbild dafür wird die vom AHV gestiftete Fahne – sie kann über die „braunen” Jahre hinübergerettet werden. 

Bild oben: Frontstücke des Bierzipfs von Bbr. Heinrich Siedhoff, FM 1930; rechts: Das Ruhranen-Bootshaus an der Werse, rechts: Bierkrug mit dem Wappen des Vereins

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