Am 28. Juni 1914 fallen die Schüsse von Sarajewo. Auch die studierenden Ruhranen treten wie ihre Alten Herren nach und nach, großenteils kriegsfreiwillig, unter die Fahnen. Diese „Abgänge” werden zunächst noch halbwegs wettgemacht durch „Zugänge”: zu den 40 Mitgliedern des SS 1914 kommen im WS 14/15 zehn Neofüchse.
 
Im Dezember 1914 gibt es noch 20 ortsanwesende Studenten, 2 sind bereits gefallen. Dem Ernst der Zeit entsprechend verzichtet man meist auf Kneipen und hält nur wissenschaftliche Sitzungen, Exkneipen und Konvente; die Vereinsabende müssen zudem, da das Vereinslokal vom Militär beschlagnahmt war, gewöhnlich auf den „Buden” einzelner Mitglieder stattfinden. Zahlreiche „Liebesgaben”, besonders Lesestoff, werden den Mitgliedern ins Feld geschickt.

Schon im Sommer 1915 ist das Vereinsleben durch weitere Einberufungen fast ganz lahmgelegt. Der Verein berichtet in den „Kriegsnachrichten der Ruhrania” vom Juni 15: „Wir sind zu 6 (sechs!) Mann hier“ - aber auch diese Zahl sollte sich bald lichten. Statt in der Heimat, entwickelt sich unitarisches Leben jetzt bisweilen im Felde. Berichte über „Unitarisches Leben im Schützengraben vor Reims” zeigen, dass das „Vereinsfest” (Kommunion im Feldgottesdienst, Morgensitzung im Unterstand) auch dort gefeiert wird.

Die regelmäßig für alle Mitglieder gedruckten Kriegsnachrichten vermelden oft Auszeichnungen („Eisernes Kreuz”, auch I. Klasse) oder Beförderungen bis zum Leutnant (Zugführer, Kompanieführer, Adjutant), aber auch immer wieder, dass ein Mitglied gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten ist. Je länger der Krieg dauert, desto mehr Opfer fordert er - auch von der Ruhrania: In Ypern, vor Verdun, Russland, in der Somme-Schlacht, an der Marne. 15 Vereinsbrüder fallen oder gelten als vermisst.

Auch die neu gewonnenen Füchse werden meist bald Soldat. Seit 1916 finden oft keine wöchentlichen Veranstaltungen statt, sondern nur gelegentliche Exkneipen, Sonntagsspaziergänge und Zusammenkünfte des „UV Münster”; an den regelmäßig gefeierten Vereinsfest nehmen des öfteren feldgraue Vereinsbrüder, zufällig auf Urlaub, teil. Nach dem Vereinsbericht vom Dezember 1915 sind von 38 Mitgliedern 32 „unter den Fahnen” und noch drei „Zivilisten” ortsanwesend, im April 1917 sind 29 von 33 beim Militär.

Gründung des Altherrenvereins 

Als fast sämtliche Mitglieder durch Einberufung in alle Winde zerstreut sind, beschließen einige Alte Herren mitten in den Kämpfen in Flandern die Gründung eines Altherrenvereins, um die junge Korporation zusammenzuhalten. 15 Mann zählt der Kreis. Aus dem im „Kriegsgedenkblatt” ebenfalls abgedruckten „Satzungsentwurf” ist bemerkenswert:
 
„§ 1. Zweck: Ideelle und materielle Unterstützung der Aktivitas und der Kriegsteilnehmer. ... Ordentliches Mitglied kann jeder Ruhrane, außerordentliches Mitglied jeder Unitarier und jedermann in geachteter Lebensstellung werden. … §4: Mitgliederbeiträge werden nicht erhoben, freiwillige Spenden sind in reichem Maße ... erwünscht. ... Die Generalversammlung findet spätestens ein Jahr nach Friedensschluss statt. Sie beschließt dann endgültig über den Bestand und die Form des AH-Vereins.”

Der Altherrenverein bietet einen starken Rückhalt, als man im Februar 1919 daran geht, Ruhrania wieder aufleben zu lassen. Von den 27 Mitgliedern auf der Liste ist mancher noch in Gefangenschaft (bis 1920) oder im Lazarett; andere sind noch nicht zum Studium zurückgekehrt; viele „extraloziert”. Die meisten „Vorkriegssemester” überhaupt fehlen. Ganze sechs Mann versammeln sich zum ersten Konvent am 6. Februar 1919.  

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