I.

1911 - 1914:

Von der Gründung bis zum ersten Weltkrieg

II.

1914 - 1919:

Die Kriegszeit

III.

1919 - 1924:

Die ersten Nachkriegsjahre

IV.

1924 - 1930:

Fruchtbare Semester

V.

1930 - 1950:

In Frontstellung zum Hitlerismus

VI.

1950 - 1990:

Die Ruhrania nach dem Krieg

VII.

UV an der Ruhr

UNITAS in Essen und Bochum

VIII.

Ab 1989

Die Ruhrania im Revier

 

 

1. Die Unitas Essen/Bochum 1989 - 1990
2. Die UNITAS Ruhr - 1990
3. Die Wiederbegründung der RUHRANIA 1991
4. Aktivenleben von 1992 - 2004
5. Ein Haus für die UNITAS an der Ruhr 2004 - 2008


I. 1911-1914: Von der Gründung bis zum I. Weltkrieg

UNITAS Ruhrania entstammt einer großen unitarischen Familie: In Münster gab es mit der 1857 gegründeten UNITAS Frisia, der Sugambria (1899), Winfridia (1902) und Rolandia (1910) bereits vier UNITAS-Vereine. Und zum zweiten Mal war es UNITAS Sugambria, die nach der Gründung von UNITAS Winfridia, den unitarischen Stammbaum weiter verzweigte: Den ausscheidenden Sugambern schließen sich auch einige Bundesbrüder von UNITAS Frisia an und so erblickt der neue Verein am 12. Januar 1911 als fünftes Kind in der unitarischen Familie an der Universitas Monasteriensis das Licht der Welt. Er erhält seinen Namen nach der 1847 von Theologen aus der Ruhrregion gegründeten alten Bonner „Ruhrania”, aus der 1853 die „UNITAS” hervorgegangen war. Sie hatte 1855 (die damalige Aktivitas im Bild rechts) zusammen mit der von dort aus entstandenen UNITAS Tübingen die UNITAS als ältesten katholischen Studentenverband ins Leben gerufen.

Die neue Ruhrania - „M 5”, so das Kürzel im Verband - beweist mit dem Eintritt in das akademische Leben, dass sie lebenskräftig ist und trägt nun den unitarischen Gedanken in weitere Kreise. Verkehrslokal wird der „Zentralhof” mit Vereinszimmer („Kneipe”) an der Rothenburg. Zum Publikationsfest, am 23.2.1911 gefeiert, im glanzvollen, altstudentischen Rahmen der „wilhelminischen” Ära, gibt es Auffahrten der „Chargierten” der erschienen Bundeskorporationen – alle vier Münsteraner, die zwei von Bonn, die von Göttingen, Berlin und Kiel waren vertreten – mit vorausreitenden Militär-Fanfarenbläsern, musikalischer Frühschoppen, Festessen im Verkehrslokal, Festmesse mit Fahnenweihe in der Martinikirche und abendlichem Festkommers im Zoo-Saal "mit zündender Papst- und Kaiser-Rede".


Einladung zum Publikationsfest am 24. Februar 1911

Erster Senior der Ruhrania wird der von der holländischen Grenze des Emslandes stammende cand. phil. Engelbert Schlömer. Die Hoffnungen, die alle Ruhranen für das erste Sommersemester 1911 hegten, sollten sich in vollem Maß erfüllen. Sie zählt zunächst sechs Burschen und zwei Füchse (Neumitglieder) als „Gründer”. Ein weiteres Dutzend Füchse kommt hinzu und durch Zuzug aus dem Verband erhöht sich die Zahl der Aktiven auf 20. Religion und Wissenschaft prägen das Semesterprogramm und zeigen eine lebendige Verwirklichung der unitarischen Prinzipien. Die Anerkennung durch die Generalversammlung des Verbandes in Fulda kann nicht ausbleiben: die Aufnahme in den Verband.


UNITAS Ruhrania: Wachsende Mitgliederentwicklung in den ersten Jahren
(Bilder: Sammlung Kurt Lembeck)
 

Nikolausfest mit Knecht Ruprecht
und Damenflor

Brandungskneipe zur Aufnahme
von acht Neumitgliedern

In den folgenden Semestern setzt sich das Wachstum des Vereins fort, besonders unterstützt von dem AH Beigeordenten Dr. Krüsmann, de facto schon „Ehrensenior” des Vereins. Am Ende des zweiten Semesters zählt Ruhrania 29 Studierende und einen Alten Herrn. Neben den Prinzipien und der gesellschaftlichen Schulung pflegt man jetzt auch den Sport: Mit einer Bootshauskasse entstanden Pläne für ein eigenes Bootshaus auf - als „Keilmittel” gerade in Münster wichtig; seitdem hier die katholischen Korporationen Rudersport betrieben, gingen die anderen Verbände stark zurück (1908 noch neben 14 katholischen 13 andere Korporationen, 1912 aber 16 : 8).

Im WS 1912/13 führt Ruhrania bereits den Vorsitz im Gesamtausschuss aller Münsterischen Studentenkorporationen. Höhepunkt in jedem Programm: das Vereinsfest, von den Münsterischen Vereinen gemeinsam begangen, aber auch die Teilnahme an der „Großen Prozession” und Mitgliedschaft vieler in der Congregatio Mariana Academica zeugen von einem echt religiösen Leben. Den regelmäßigen wöchentlichen wissenschaftlichen Sitzungen folgt nach damaliger Sitte eine „Kneipe”; die Vorträge wechseln noch in bunter Mischung aus den verschiedensten Fachgebieten.

Freundschaftlich ist das Verhältnis zu den Bundesvereinen; die Münsteraner werden häufig besucht, oft nach eigener Veranstaltung: Frisia im Hansahof, Sugambria an der Hammer-Straße, Winfridia in der Kaiser-Friedrich-Halle, Burgundia im Gesellschaftshaus „Union”; zu auswärtigen Vereinen geht es meist bei besonderen Anlässen. Amicitia im Sinne sozialen Verhaltens wird praktisch verwirklicht im Rahmen des von Carl Sonnenschein gegründeten SSS (Sekretariat Sozialer Studentenarbeit). 

Von links nach rechts: Obere Reihe: Berelsmann, Henning, Richters, J. Schöne, Kintrup, Knürener, Bohse, H. Sandkühler, Schröder, Deters. Mittlere Reihe: Schotterer, Wulle, Witte, Meinersmann (FM), Stoffel (X), Kemper (XXX), Moll, Mailänder, G. Schumacher, Teipel. Untere Reihe: Potthast, Beine, Dr. Schöne, Dübe, G. Klein, Alberti, Schlömer, Meyer, Ax. Es fehlen: Beck, Beckmann, Breuer, Eick, Ewers, Hiery, Linsmann, Mathy, Rasche, Soer, Weier.

Letztes Friedens-Semester

Aber auch Sport ist großgeschrieben: Turnen, Tennis, Schwimmen und Rudern beim Ruderverein Münster, Kegel-Nachmittage vor dem Neubrückentor, aber auch Maifeiern, das Kaiser-Jubiläum mit Kommers, regelmäßige wissenschaftliche Vorträge, ein Tanzkurs, Gesellschaftsnachmittage und -abende im „Neuen Krug”, Ausflüge nach Hiltrup, Mecklenbeck und anderswo zeugen von intensivem Vereinsleben und schönster Studentenromantik - bevor der Kriegsbrand ausbricht.

Im siebten Semester im Sommer 1914 steigt die Mitgliederzahl auf 40, Ruhrania hat den Vorsitz im UV Münster. Die Füchse schenken der Korporation prächtige Schabracken mit Zubehör, so dass Ruhrania bei Auffahrten mit Pferdekutschen „Furore” macht. Gegen Ende des SS 1914, während man sich schon auch in der UNITAS auf den für Münster vorgesehenen deutschen Katholikentag vorbereitet, zieht das Gewitter des ersten Weltkrieges auf.

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