Glückauf!: Ruhr-Aktivitas legt bei ihrem Projekt Tempo vor

MÜNSTER/RUHRGEBIET. 30 Bundesbrüder der Ruhrania mit ihren Angehörigen versammelten sich am 6. November 2004 im Heimathaus Münster-Sprakel zum traditionellen Jahrestreffen. Der zum 23. Mal in Folge von dem AHV-Vorsitzenden OStD Jörg Lahme (Rheine) und seiner Frau für die Ruhranen-Familie organisierte Abend garantierte nicht nur wieder für deftiges Essen bei knisterndem Herdfeuer in urigem Münsterland-Ambiente. Wieder standen auch plattdeutsche Texte und gemeinsam gesungene Lieder auf dem Programm. 

Der Schauspieler und Regisseur Johannes Demming präsentierte Nachdenkliches und Heiteres aus fremder und eigener Feder. Sein munter inszenierter Streifzug durch die westfälische Seelenlandschaft machte mit der vielen heute unbekannten Sprache, aber auch der Geschichte, Identität und Mentalität der Region bekannt. Seine spielerische Annäherung an ein Idiom, das sich manchem Gast erst durch „Rückübersetzung aus dem Englischen“ erschloss, ließ Studentisches nicht außen vor: So dankten die Gäste mit großem Applaus dem „Holsken Hannes“ für seine Interpretation der Varusschlacht und stimmten begeistert in die niederdeutsche Fassung des Liedes „Als die Römer frech geworden“ ein. 

Mit einem Lichtbildervortrag gelang auch der Brückenschlag ins Ruhrgebiet, wo sich die Aktivitas inzwischen auf einem eigenen Haus einrichtet. Ein virtueller Rundgang durch das „Feldschlösschen“ im Essener Stadtteil Borbeck und Szenen aus dem Vereinsleben demonstrierten die Möglichkeiten und den Fortschritt der Initiative an der Ruhr. Bbr. Dr. Christof Beckmann, Ehrensenior und HBV-Vorsitzender, berichtete zum Stand des vom Verband maßgeblich unterstützten Projekts, mit dem der Verein endgültig im Revier eine feste Heimat finden wird. Selbst der Gast des Abends, Johannes Demming, zeigte sich sichtlich beeindruckt von den Planungen. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Aktiver bei der heute suspendierten KDB Alania in Münster: „Ein eigenes Haus – wir haben die Situation damals verpasst - ist eine Riesenchance.“ Auch wenn sich das Leben der Korporation nun wohl immer mehr ganz an die Ruhr verlagern wird, wollen die Ruhranen nach einhelliger Meinung zunächst weiter an den Münsteraner Jahrestreffen im November festhalten.

Währenddessen beflügelt das zum 1. Juli 2004 übernommene Domizil zu großem Schwung an Rhein und Ruhr: Architekt Bbr. Otfried Jäger (Wesel) hat die komplette Bauaufnahme mit einer detailgenauen 3-D-Projektion des ganzen Gebäudes abgeschlossen. Derzeit läuft die Kalkulation für die ab Frühjahr startenden Bau- und Renovierungsmaßnahmen in dem über 100-jährigen Traditionshaus. Wie in der vergangenen unitas-Ausgabe berichtet, soll das Erdgeschoss mit dem angeschlossenen Biergarten noch im Frühjahr als öffentliche Gastronomie verpachtet werden. Acht bis neun Zimmer werden nach Fertigstellung für Studenten in den oberen Stockwerken zur Verfügung stehen. Auch ist ein eigener Kneip- und Vortragssaal geplant.

Im aktuellen „Roh“-Zustand wird die „Selbstversorger-Skihütte“ schon fleißig genutzt. Mit Senior Peter Helmus, FM Rüdiger Duckheim und Quaestor Oliver Milerski sind drei Bundesbrüder auf der Baustelle eingezogen. Sie sorgen für Leben auf dem Haus, für den laufenden Betrieb und Ordnung. Immer mehr Seiten des Gästebuches füllen sich mit den Zeugnissen reger Nutzung: Das Areal der alten Gaststätte stand auch Externen bereits für große Geburtstagsfeiern zur Verfügung, Familienkreise aus der Gemeinde feierten hier, CV-Stammtische des örtlichen „Kohle“-Zirkels fanden dort statt und Messdiener tagten im urigen, unitarisch dekorierten Ambiente. Doch nicht nur inzwischen viele Hundert Gäste treffen hier auf ideale Bedingungen: Auch die Aktivitas trifft sich natürlich hier zu ihren Veranstaltungen, engagiert sich als gute Gastgeber für die vielen Gruppen – auch für Leute aus der Nachbarschaft, die immer wieder hereinschneien. Von vielen Seiten werden sie angesprochen, die Neugierde ist groß und überall wird das Engagement von großer Sympathie getragen: Nicht nur mit der Pfarrgemeinde und verschiedenen Vereinen gibt es bereits sehr gute Kontakte, auch und gerade die örtliche Altherrenschaft zeigt sich hoch interessiert. So zog das erste gemeinsame Vereinsfest mit dem Essener AHZ am 2. Advent über 40 Gäste „auf´s Haus“.

Botschafter der UNITAS

Die Ruhr-Aktiven verstehen und betätigen sich als Botschafter auf einem spannenden Breitengrad. Unterstützt von Verbandsvorstand und Zentralem Hausbauverein sind nun auf einem eigenen Ruhranen-Haus unitarische scientia, amicitia und eine ruhrtypische fidulitas in einen sportlichen Wettbewerb getreten. Ein buntes Semesterprogramm soll für Verband und Idee der UNITAS Interesse wecken: Von anspruchsvollen Wissenschaftlichen Sitzungen zu Weinproben, von geistlichen Gesprächen bis hin zum gemeinsamen Plätzchenbacken – alle Veranstaltungen verstehen sich als öffentlich und sollen unter den vielen lokalen Aktivitäten ein eigenes Profil herausstellen. Schön zu erfahren ist übrigens, dass immer wieder auch längere Zeit inaktive oder sogar beim Verband gar nicht mehr gemeldete Bundesbrüder der UNITAS für den neuen Standort zu interessieren sind. Und dass viele auch von weither angereiste Besucher voller Lob für das Projekt sind, befördert den Elan der Ruhr-Aktiven sehr. Die wackere Truppe, voll unterstützt vom Vorort UNITAS Rheinfranken, leistet so eine Riesenarbeit für alle und ist dankbar für jede Form der Unterstützung. Jetzt freuen sie sich erst mal auf eine rauschende Silvesterfète, bei der viele Gäste sein werden und noch mehr willkommen sind.

Hinweis: Ins Ruhrgebiet gewechselte Aktive und AHAH sind herzlich gebeten, sich zu melden. Kontakt: Flurstr. 67, 45355 Essen, Tel. 0170/3675345, email: richie.duckheim@gmx.de

Aus: unitas 4/2004