Eröffnung der Alten Universität Duisburg (1655), Gemälde Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
 

Die Duisburger Universität
und ihre studentischen Korporationen

 

Akademisches und universitäres Leben gibt es an der Ruhr nicht erst seit wenigen Jahrzehnten: 1559 nahm das akademische Gymnasium in Duisburg seinen Lehrbetrieb auf, Vorläufer einer Landesuniversität, die Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, genannt Wilhelm der Reiche, für seine Länder gründen wollte. An ihr lehrte unter anderem bis 1562 der berühmte Kartograph Gerhard Mercator Geometrie, Mathematik und Kosmologie. 1655, nach Übernahme des Herzogtums Kleve durch Kurbrandenburg (1614), nahm die Alte Universität Duisburg ihren Lehrbetrieb auf. Mit ihrer theologischen, juristischen, medizinischen und ihrer philosophischen Fakultät war sie eine voll ausgebaute Universität, die für die nächsten hundert Jahre Bildungsstätte fast aller Ärzte, hohen Beamten und reformierten Pfarrer der preußischen Westprovinzen wurde.

 

Studentische Orden und Logen

 

Trotz konkurrierender Hochschulen in den Niederlanden und schwacher wirtschaftlicher Ausstattung war Duisburg ein beliebter Ausbildungsort. Hier organisieren sich seit den 1760-er Jahren Studenten in neuartigen Vereinigungen, die nicht mehr wie früher nach dem landsmannschaftlichen Prinzip der regionalen Herkunft zusammengesetzt waren. Mehrere studentische Orden und Logen strebten nun eine lebenslange Zusammengehörigkeit der Mitglieder an. So gehörte etwa Carl Arnold Kortum (1745-1824), Arzt, Schriftsteller und Dichter der „Jobsiade“, während seiner Duisburger Studentenzeit ab 1763 dem Bund der „Inviolabilisten“ an, einer der Gemeinschaften, die sich in ihrem Ritus aus früheren Geheimbünden entwickelten. 

Als 1795 nach dem Friedensschluss zu Basel das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten wurde, hörte der Zuzug der Studenten von der linken Rheinseite nach Duisburg allerdings völlig auf. 1818 hob König Friedrich Wilhelm III. die Duisburger Universität offiziell auf, große Teile der Bibliotheksbestände, das Universitätszepter und das Universitätssiegel wurden an die neu gegründete Rheinische Friedrich3 Wilhelms-Universität Bonn übergeben, die das Siegel bis heute weiterführt.

 

Die neue Universität und ihre Vereinigungen


Über 70 Jahre lang blieb Duisburg zunächst ohne eine universitätsähnliche Institution. 1891 siedelte die Rheinisch-Westfälische Hüttenschule von Bochum nach Duisburg um, die zur „Königlich-Preußischen Maschinenbau- und Hüttenschule“ weiterentwickelt und 1938 in „Staatliche Ingenieurschule“ umbenannt wurde. Erst 1968 erhielt die Stadt Duisburg mit der Pädagogischen Hochschule wieder eine universitäre Einrichtung. Nach der Gründung weitere Fachbereiche firmierte sie zunächst als Gesamthochschule, ab 1994 unter dem Namen Gerhard-Mercator-Universität. 2003 wurde sie mit der Universität Essen zur neuen Universität Duisburg-Essen fusioniert.

 

Auch an diesen Institutionen fanden sich studentische Vereinigungen zusammen: Technikerverbindungen, reaktivierte Vereine von technischen und landwirtschaftlichen Fachschulen aus Mittelsachsen, aus dem Technischen Cartellverband (TCV), dem Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen (CV) und seit 1989 aus dem Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine UNITAS (UV).

 

Der W.K.St.V. Unitas Ruhrania setzt die Traditionen der in 1960 an der PH in Essen gegründeten „UNITAS St. Liudger“ und der 1963 in Bochum ins Leben gerufenen „UNITAS Robert Schuman“ fort. Eine Besonderheit in der Korporationslandschaft ist der im August 2010 erstmals vorgestellte Wissenschaftliche katholische Studentinnenverein UNITAS Franziska Christine in Essen: Er konstituierte sich durch Gründungsmitglieder aus dem W.K.St.V. UNITAS Theophanu in Köln und der UNITAS Clara Schumann in Bonn und wurde bei der 134. UNITAS-Generalversammlung in Düsseldorf 2011 in den Gesamtverband aufgenommen.

 

 

Zum vollständigen Text als pdf