Knistern in der Luft

Spannungsreiche Zeiten nach dem Ende des Alten Reiches: In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ist das Verhältnis zwischen Staat und katholischer Kirche nicht gerade das Beste. In vielen gesellschaftlichen Bereichen, in Bildung, öffentlicher Verwaltung und Militär etwa, sind Katholiken deutlich unterrepräsentiert. Staatliche Maßnahmen gegen die Kirche rufen deren Widerspruch hervor. Nicht ohne Folgen: 1837 setzen die Preußen den Kölner Erzbischof in Festungshaft - ein ungeheuerlicher Vorgang....

Die Katholiken nutzen alle Mittel der bürgerlichen Koalitionsfreiheit. Das Gebot der Stunde hieß: Mobilisierung und Organisation. Sie gründen Vereine, Verbände und Zeitungen, treffen sich 1848 zum „1. Deutschen Katholikentag“ in Mainz. Zur Lesung der Grundrechte in der Frankfurter Nationalversammlung bringen sie neun Zehntel aller Petitionen ein. Für die Freiheit der Religion und der Kirche. Es beginnt das „Jahrhundert der katholischen Sammlung“.

1847: Start in Bonn

Im Mittelpunkt der Ereignisse: Das preußisch gewordene katholische Rheinland. 1847 finden sich Studenten aus dem Ruhrgebiet zur Gründung des ersten UNITAS-Vereins an der Bonner Universität zusammen. Ein Jahr vor der Revolution von 1848 geben sie sich nach dem Fluss ihrer Heimat den Namen „Ruhrania“.



Doch das landsmannschaftliche Prinzip allein genügt ihnen auf Dauer nicht. Seit 1850 bereitet sich die Gründung der UNITAS vor: Der aus Essen-Werden stammende Theologe Hermann Ludger Potthoff (1830-1888), der als Stifter des UNITAS-VERBANDES (UV) gilt, stellt die Ruhrania auf eine eindeutige religiöse Grundlage: die wissenschaftliche Betätigung, die Vereinsfeste und das Lebensbundprinzip.

Im Wintersemester 1855/56 wechselt der bisherige Präses der UNITAS-Salia, Ferdinand Rheinstädter (1834-1889), an die Universität Tübingen. Seit dem 8.12.1855 bilden die „Coeten“ Bonn und Tübingen den Gesamtverein „UNITAS“, einen Einheitsverband, der ursprünglich nur katholische Theologen aufnimmt. Fortan entstehen gemäß dem Verbandsprinzip neue UNITAS-Vereine - immer ausgehend von bestehenden Vereinen. So gründet am 26.1.1859 zusammen mit Bonner und Tübinger Unitariern Franz Hülskamp (1833-1911) den UNITAS-Coetus Münster, am 31.1.1875 wird UNITAS-Würzburg gegründet.

Jahrzehnte des Wachstums

Im Kulturkampf wird die „klerikale UNITAS“, der Zusammenschluss der geistlichen Alten Herren, verboten. Als danach die Konvikte wieder geöffnet werden und Theologiestudenten in diese einziehen müssen, droht die UNITAS auszubluten. Der Verband muss reagieren: Die außerordentliche Generalversammlung in Neuss 1887 beschließt die Umwandlung des theologischen Gesamtvereins UNITAS mit einzelnen Coeten in einen für alle Fakultäten offenen „Verband wissenschaftlicher katholischer Studentenvereine“ - nur die UNITAS-Frisia Münster bleibt ein reiner Theologenverein. Bis zur Jahrhundertwende entstehen weitere Gründungen in Freiburg (1895), Straßburg (1898), in Marburg (1899) und ein mit UNITAS Sugambria ein weiterer münsteraner Verein.


Aktiv begleiten die Entwicklung der UNITAS die Verbandsgründer:

Hermann-Ludger Potthoff aus Werden/Ruhr, vom Kölner Erzbischof 1863 für die Seelsorge in der Diaspora freigestellt, wirkt in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden in der Caritasarbeit und als Oberhofprediger am Königlichen Hof.

Franz Hülskamp(1833-1911) aus Essen/Oldenburg und Gründer der UNITAS in Münster, gilt als der maßgebende katholische Literaturkritiker und -wissenschaftler seiner Zeit. Dem viel gelesenen Autor wird das „Soester Grundsatzprogramm“ der Deutschen Zentrumspartei von 1871 zugeschrieben, er ist 1876 Mitgründer der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften.

Der Unitarier Franz Hitze (1851-1921, Bild rechts) legt 1877 sein Werk „Die soziale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung“ vor, 1881 erscheint „Kapital und Arbeit und die Reorganisation der Gesellschaft“. Gemeinsam mit dem ersten Ehrenmitglied der UNITAS, dem Gründer der Zentrums-Partei Ludwig Windthorst, gründet der Reichstagsabgeordnete 1890 den „Volksverein für das Deutschland“. 1893 übernimmt Hitze in Münster den ersten Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftswissenschaften. Als einer der bedeutendsten katholischen Sozialwissenschaftler und Politiker nimmt er starken Einfluss auf die Bismarcksche und Wilhelminische Sozialgesetzgebung.

Der später als Jesuit berühmt gewordene Heinrich Pesch (1854-1926) diskutiert als Jurastudent 1875 bei seiner UNITAS in Bonn die „Industrielle Krise“ und die „Gefahren der modernen Industrie“. Peschs Beitrag zur Christlichen Gesellschaftslehre, der sogenannte Solidarismus, ist wichtiger katholischer Beitrag zur theoretischen Fundierung der sozialmarktwirtschaftlichen Ordnung.

 

Die Idee der Gründer trägt: Von 1898 bis 1918 erlebt der UNITAS-Verband einen großen Aufschwung. Den Neugründungen von Freiburg (1895) und Straßburg (1898) folgen Marburg (1899), Berlin, München, Heidelberg und Paderborn (1900), Göttingen (1902), Kiel (1908), Aachen (1911), Frankfurt (1917). Hinzu kamen drei weitere UNITAS-Vereine in Münster. Zu Beginn des ersten Weltkriegs zählt der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands als einer der größten Korporationsverbände in Deutschand und Österreich fast 70 aktive Ortsvereine zwischen Königsberg und Straßburg, Breslau und Hamburg, Innsbruck und Paris. Von 725 Aktiven und etwa 1600 Alten Herren standen bei Kriegsende 1918 noch 1200 unter Waffen, 240 Unitarier - die größte Zahl aus allen Verbänden - fielen im Krieg.

Bekenntnis zur demokratischen Republik

In der Weimarer Republik erlangt der UNITAS-Verband eine ungeahnte Bedeutung. Die zuvor trotz ihrer Größe im politischen Sinne eher ein Innenleben führenden katholischen Verbände tragen jetzt aktiv zum Aufbau des neuen demokratischen Staates bei. Die Unitarier Franz Hitze und Joseph Mausbach wirken bei der Ausarbeitung der Reichsverfassung mit, viele Unitarier sind in den Landesparlamenten Bayerns, Badens, Württembergs, Sachsens und anderen deutschen Mittelstaaten, viele im Reichstag. Sie tun es in enger Verbindung mit der Zentrumspartei, den vielfältigen katholischen Verbänden, mit der christlichen Arbeiterbewegung und wissenschaftlichen Vereinigungen.

Besonders attraktiv ist der Verband, der von seinen alten und jungen Mitgliedern ein konsequentes und klares Bekenntnis zur jungen Republik fordert, für die Kriegsheimkehrer, die vom aus der katholischen Jugendbewegung in den UV geströmte Neustudententum (Ablehnung von traditionellen studentischen Formen und Bräuchen) inspiriert, in die UNITAS strömen. Sie lehnen die überkommenen Traditionsformen ab, suchen und finden in der UNITAS, die sich 1922 dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend anschließt und der Pax Romana beitritt, ein echtes inhaltliches Angebot. UNITAS-Vereine, die sich gegen die Verbandslinie stellen und ihre Richtung in der „Couleur-“ oder „Farbenkrise“ durch das Anlegen von Farben herausstellen, müssen die Konsequenzen ziehen: Als die Generalversammlung 1923 dem Farbentragen eine klare Absage erteilt, treten bis 1924 die Vereine Gothia Berlin, Franco-Borussia Würzburg, Sigfridia Bonn und Ripuaria Aachen aus dem UV aus und gründeten den Ring-Verband (RV, heute RKDB).

Der deutlichen Richtungsbestimmung folgt ein weiteres Erstarken des UV mit Neugründungen an allen wichtigen Universitäten Deutschlands und Österreichs. Die UNITAS festigt sich in aktiver Bildungs- und Schulungsarbeit. Sie bewahrt nach den ersten Krisenjahren der Weimarer Republik ihre Einheit, wendet sich gegen eine Überbetonung von Formen und Äußerlichkeiten. Im Gegensatz zu allen Verbänden, besonders zu den waffenstudentischen, bleibt der Verband nationalitätsungebunden und kämpft gegen die zunehmende Radikalisierung der Studentenschaft. Als die 1919 gegründete Deutschen Studentenschaft (DSt), der Zusammenschluss der Allgemeinen Studentenausschüsse (ASTA/ASTEN), durch den „Hochschulring Deutscher Art“ in rechtsradikales und antisemitisches Fahrwasser gerät, bleibt die UNITAS auch hier konsequent: Sie tritt 1928 aus der „Deutschen Studentenschaft“ aus, die nur drei Jahre später fest in der Hand des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) ist.

Gegen den totalitären Staat

Die Nationalsozialisten machen ernst: Nach den Erlassen zur Gleichschaltung der Verbände im April 1933 und dem Verbot konfessioneller Vereine 1934 verweigert sich die UNITAS 1935 der „Gemeinschaft studentischer Verbände“ und 1936 der „NS-Studentenkampfhilfe“. Allerdings - auch der UV muss 1933 das Führerprinzip annehmen: Verbandsleiter wird der spätere langjährige Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Erbprinz Dr. Dr. Karl zu Löwenstein.

1934 werden die Unitas-Vereine in Deutsch­land gezwungen, das Konfessionsprinzip preiszugeben. Für die drei Unitas-Vereine in Österreich (Innsbruck, Wien, Salzburg) gilt das nicht, sie wollen die Grundlagen nicht aufgeben und trennen sich darum einvernehmlich vom Unitas-Verband in Deutschland. Bereits 1933 hat der Verbandsführer einen provisorischen Geschäftsleiter der Unitas in Österreich ernannt, um eine konstituie­rende Versammlung der österreichischen Unitas-Vereine zur Gründung eines Unitas-Verbandes in Österreich (UiÖ) einzuberufen. Er wird am 15. März 1934 konstituiert. -> Zur Geschichte der UNITAS in Österreich

Auch in Deutschland bekennen die UNITAS-Vereine Farbe, sie treten trotz Repressalien öffentlich weiter auf. Ein Protest mit Folgen: Am 20. Juni 1938 verfügt Gestapo-Chef Himmler die Zwangsauflösung des UNITAS-Verbandes als „staatsfeindliche Organisation“. Jetzt trifft es auch die Österreicher: Am 10. Juni 1938 wird UiÖ einschließlich der Altherrenzirkel aufgrund § 1 der Verordnung zum Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 16. März 1938 aufgelöst. Das gesamte Vermögen der Vereine überall wird beschlagnahmt, die meisten im einzigen Verband, der sich nicht freiwillig aufgelöst hat, arbeiten aber nach dem Verbot der UNITAS im Untergrund weiter. Bis zur Mitte des Krieges entstehen sogar neue Vereine. Noch Ende 1936 schließt eine Veranstaltung der Sigfridia-UNITAS in Breslau: „ ... Was wir an äußerem Glanz, in der Breite verloren haben, müssen wir in der Tiefe wiedergewinnen ... Durchhalten heißt die Parole! ...“
 

Ein Unitarier, Carl Klinkhammer (Bild rechts), gehört zu den ersten Priestern, die verhaftet werden. Die Nazis bezichtigen den als „Roter Ruhrkaplan“ berühmt gewordenen späteren „Bunkerpfarrer“ von Düsseldorf der Zusammenarbeit mit Kommunisten. Nicht nur der alltägliche Unterdrückungsapparat des Systems fordert eine mutige Antwort, auch die Rassenideologie der Nazis. Unitarier, die Professoren Wilhelm Neuß und Werner Schöllgen, verfassen den 200.000-fach verbreiteten „Antimythus“ - eine mutige Antwort gegen den „Mythus des 20. Jahrhunderts“ von Hitlers NS-Chefideologe Alfred Rosenberg.

Der Unrechtsstaat schlägt zurück: Entlassungen, Degradierungen, Devisen- und Sittlichkeitsprozesse gegen Priester, Ausweisungen, Verhaftungen, Bespitzelung, Zuchthaus und Konzentrationslager richten sich auch gegen Unitarier. Dramatisch beweist sich die Richtigkeit der päpstlichen Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die im März 1937 millionenfach verteilt wurde. Einigen Unitariern gelingt die Flucht in die Schweiz oder nach Brasilien. Anderen nicht - sie lassen ihr Leben in Dachau, Struthof-Schirmeck und Mauthausen, unter dem Fallbeil in Hamburg oder Brandenburg-Görden, in Gestapo-Haft oder bei Schanzarbeiten am Westwall.

Für sein mutiges Glaubenszeugnis wurde Bundesbruder Georg Häfner, Priester aus Würzburg und erster Seliger aus der UNITAS, von der zuständigen Kommission 2009 als Märtyrer anerkannt, für die von den Nationalsozialisten ermordeten Bundesbrüder Johannes Prassek und Eduard Müller (beide UNITAS Ruhrania) - zwei der "Lübecker Kapläne" - wird das Ende des Seligsprechungsprozesses für 2011 erwartet, weitere Prozesse laufen für den Gründer der Schönstatt-Bewegung, Bundesbruder Pater Josef Kentenich und den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten und "Vater Europas", Bundesbruder Robert Schuman.

1947: Neustart

Bereits 1947 kann sich die UNITAS - nach ersten Treffen im August 1945 und 1946 in Walberberg - auf der 70. Generalversammlung in St. Augustin als Verband neu konstituieren. Anders als andere Verbände muss er sich nicht wieder neu gründen. Mit Hilfe unitarischer Alter Herren und aus idealistischen Gruppen der Studentengemeinden finden nicht nur die meisten der traditionsreichen alten Vereine wieder sehr schnell zusammen. Auch diesmal ist der Verband für viele, die nach den Erfahrungen der Kriegszeit eine Orientierung suchen, eine Alternative. Mit großem Schwung breitet sich der Verband, der 1958 wieder dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) beitritt, an alten und neuen Hochschulen aus - möglich war dies allerdings nur im Westen Deutschlands.

1947 sind wieder 13 Vereine am Start, ein Jahr später sind es bereits 22 und zur Generalversammlung in Bochum 1951 treffen sich sogar 44 aktive Vereine. Insgesamt werden bis 1966 allein 35 völlig neue Vereine an neuen Universitätsstandorten ins Leben gerufen. Ihr Programm: Arbeit für Kirche, Staat und ein vereinigtes Europa. Unitarier wie der französische Ministerpräsident Robert Schuman (Bild rechts), Bundesminister Heinrich Krone und viele unitarische Bischöfe prägen maßgeblich das politische und kirchliche Leben nach dem Zweiten Weltkrieg.

1968-1974 sind Krisenjahre: Sie waren von der Auseinandersetzung mit der geistigen Herausforderung der 68er Jahre sowie wiederholten Diskussionen um die Öffnung des Verbandes für Studentinnen und um die Berechtigung traditioneller studentischer Formen geprägt. Alle studentischen Korporationsverbände erreichten in dieser Zeit eine Talsohle ihrer Entwicklung; viele Korporationen mussten suspendieren und Verbände glitten in die Bedeutungslosigkeit ab. Im UV galt: Festhalten an den alten Prinzipien. Dies sollte sich bewähren. Denn bis heute ist der UNITAS-Verband, was die Zahl seiner aktiven Vereine und seine Verbandsarbeit betrifft, in einem stetigen Aufschwung begriffen. Als Mitträger der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Studentenverbände (AGV) haben sich die aktiven Vereine im katholischen Verbandsleben erneut profiliert. Dabei sind die einzelnen Vereine wie schon immer im Gegensatz zu anderen Verbänden niemals Massenverbindungen, sondern sie werden durch den inhaltlichen Anspruch der UNITAS und das Gesamtverbandsprinzip geprägt.

Die letzten Jahrzehnte

Auch die Mitte der 70er Jahre (1973: 38 Vereine) ist eine Phase kritischer Orientierung - die Folge der Studentenunruhen. Ihr folgt wieder ein neuer Aufschwung, der sich seit zehn Jahren sehr deutlich abzeichnet: Gegenwärtig bestehen wieder 46 UNITAS-Vereine an fast 40 deutschen und ausländischen Hochschulen, in denen fast 900 Studenten aller Fakultäten zusammen leben, studieren und arbeiten.

Attraktiv für Neumitglieder ist die überall im Verband gelebte Internationalität. Zur UNITAS finden nicht nur Mitglieder aus europäischen, sondern auch aus vielen afrikanischen, asiatischen, südamerikanischen Ländern. Auch in den „neuen“ Bundesländern findet der Verband wieder eine Heimat: Direkt nach der "Wende" entstand mit der UNITAS in Magdeburg/Erfurt eine Initiative in den neuen Bundesländern. Und schon zuvor hatten sich Studenten in Prag, die im Untergrund für die Demokratisierung ihres Landes arbeiteten, zu einem UNITAS-Verein zusammengeschlossen. Mit einer Vereinsgründung in Karaganda ging die UNITAS sogar nach Kasachstan und Sibirien.

Verstärkt wird das schon im 19. Jahrhundert mit in Dortmund und später in Hessen errichteten Diasporakirchen begonnene soziale Engagement: Neben die viele Jahre getragene Unterstützung für das indische Patenbistum Salem treten konkrete Einzelprojekte. Zu einem großen Erfolg wird der 1991-1996 mit der Caritas gemeinsam abgeschlossene Bau des „Robert Schuman-Hauses“, eines Kinderheims in Markkleefeld bei Leipzig. Mit Ordensschwestern und dem Bischöflichen Hilfswerk Renovabis wird die Wiedereinrichtung eines großen Hauses für Waisenkinder in Sarajewo/Bosnien-Herzegovina betrieben: In der Tradition europäischer Verantwortung sollen so alle Anstrengungen zur Versöhnung in dem vom Krieg heimgesuchten Teil Europas unterstützt werden.

Das bislang größte Verbandsprojekt ist das gemeinsam mit dem Bischöflichen Hilfswerk ADVENIAT errichtete Jugendzentrum "Casa UNITAS" in der venezolanischen Hauptstadt Caracas/Macaracuay. Es ist verbunden mit der Gründung einer dortigen UNITAS Don Bosco und wird 2007 vom römischen Generaloberen der Salesianer P. Pascual Chavez Villanueva SDB eingeweiht. Schon 2003 beginnen Renovierung und Ausbau eines Internatsgebäudes in Prijedor im Bistum Banja Luka/Bosnien-Herzegowa und zuletzt wird im Kloster Marienthal im böhmischen Osek/Dlouha Louka ein Begegnungshaus für Kinder in der Tschechischen Republik errichtet.

Die Projekte begleiten in diesen Jahren einen intensiven innerverbandlichen Diskussionsprozess: Bereits auf dem Weg in das Heilige Jahr 2000 ist viel Gemeinsamkeit gefragt. Jung und Alt ziehen an einem Strang. Und dabei blieb der „Männerverband“ nicht unter sich - Konsequenz auch hier: Denn mit der Aufnahme von Studentinnen sorgt der UNITAS-Verband für ein echtes Novum auf der gesamten Szene der traditionellen Studentenverbände. Seit Beginn der 1990er Jahre sind dem UNITAS-Verband UNITAS-Studentinnenvereine in Bonn, Frankfurt, Freiburg, Gießen und Marburg assoziiert. Und seit der UNITAS-Generalversammlung 1996 sind sie mit allen Rechten in den Verband aufgenommen. Im Jahr 2000 übernahmen die Bonner Unitarierinnen sogar den Vorort des Gesamt-Verbandes, der 2005 sein 150-jähriges Bestehen feierte. Wie es scheint, setzt sich eine Idee durch...

 

Seit 1855 stellt sich nun der UNITAS-Verband die Aufgabe der Verknüpfung traditioneller Formen mit der zeitgemäßen Verwirklichung seiner Prinzipien. Und jeder einzelne Verein, jeder Unitarier und jede Unitarierin weiß: Dieser Verband, seine Prinzipien und seine Tradition, sind nicht dem beliebigem Zeitgeist unterworfen. Denn: „Mainstream“ ist immer „von gestern“.

 

Text: Christof Beckmann

 

 

WEITERFÜHRENDE LITERATURHINWEISE :

Hasenberg, Peter (Hrsg.): 100 Jahre Verband der Wissenschaftlichen Katholi­schen Studen­ten­vereine UNITAS; Köln 1955

Hasenberg, Peter: 125 Jahre UNITAS‑Verband: Beiträge zur Geschichte des Verbandes der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine UNITAS (UV); UNITAS‑Schriften­reihe (Neue Folge), Band 5; Köln 1981

Jarausch, Konrad H.: Deutsche Studenten 1800‑1970; Frankfurt a.M. 1984

Krause, Peter: O alte Burschenherrlichkeit: die Studenten und ihr Brauchtum; 3. Auflage; Graz/Wien/Köln 1980

Prahl, Hans‑Werner/Schmidt‑Harzbach, Ingrid: Die Universität: Eine Kultur‑ und Sozialgeschich­te; München/Luzern 1981

Schlicht, Uwe: Vom Burschenschaftler bis zum Sponti ‑ Studentische Opposition gestern und heute; Berlin 1980

Tröger, Jörg (Hrsg.): Hochschule und Wissenschaft im Dritten Reich; Frankfurt a.M./New York 1986

 

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