Im Bild oben: Das Chargenteam des W.K.St.V. UNITAS Liudger mit den Bundesbrüdern Gerhard Weber, Heinz Preuthen und Heinz Bösing (v.l.) beim Publikationsfest  am 9. Juli 1960. Der W.K.St.V. UNITAS Ruhr, später UNITAS Ruhrania, setzt die Tradition der Essener Korporation und der 1961 gegründeten W.K.St.V. UNITAS Robert Schuman (Bochum, mehr: s.u.) im Ruhrgebiet fort. Beide UNITAS-Aktiven-Vereine bestanden nur wenige Jahre - gleichwohl gibt es eine große Zahl von Vereinigungen Ehemaliger in der ganzen Region.
 

1960: Gründung der UNITAS St. Liutger in Essen

Im folgenden der Bericht von der Publikation des ersten UNITAS-Vereins im Ruhrbistum nach den Aufzeichnungen der Verbandszeitschrift aus dem August 1960:

 

Im Bild: Bbr. Bischöflicher Offizial Prälat Mäkel, Bbr. AHZ-Vorsitzender und Notar
Hans Greefrath und Bbr. Oberstudienrat Zimmermann beim Publikationsfest
der Unitas-Liutger in Essen.

 

W. K. St. V. Unitas-Liutger Essen publiziert
Ein glanzvoller Auftakt für die 84. GV in Essen

Die 83. GV hat für Essen zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Der an der Päda­gogischen Akademie in Essen gegründete W.K.St.V. Unitas-Liutger Essen wurde rezi­piert. Als Tagungsort für die nächste GV wurde Essen gewählt.

 

Der AHZ Essen hat dies zum Anlaß ge­nommen, das Publikationsfest der jungen Korporation besonders glanzvoll zu gestal­ten, um den Festteilnehmern auch ein Erleb­nis zu bieten, das bei der Werbung für die GV in Essen nachhaltige Wirkungen erzeu­gen muß. Dieser Versuch muß als voll gelun­gen bezeichnet werden!

 

Zunächst einige Zahlen: Unitas-Liutger hat inzwischen 18 Aktive (3 Burschen und 15 Füchse), erste Vorbereitungen für die Grün­dung eines AHV sind getroffen. Es nahmen teil: am Festkommers 140 Personen (darunter die Chargen von 15 UV Korporationen und die Chargen des ebenfalls an der Pädagogi­schen Akademie in Essen gegründeten K.St.V. Don Bosco im KV), am Festgottes­dienst: 120 Personen, am gemeinsamen Früh­stück: 106 Personen, am Gesellschaftsabend: 190 Personen. Festlich und glanzvoll war auch der äußere Rahmen, erfreulich die lebhafte Anteilnahme aus vielen Kreisen. Zum Festkommers erschienen u. a.: als Be­auftragter des Bischofs von Essen Dr. Franz Hengsbach unser lieber Bbr., der Offizial des Bistums Essen Domkapitular Bernhard Mä­kel, der Rektor der PA Essen Professor Dr. Josef Püttmann mit 4 weiteren Professoren, Vertreter des Asta, der KSG, des Bundes ND, des CV und KV, vieler AHVAHV und AHZ AHZ und aktiver Korporationen, an ihrer Spitze Verbandsgeschäftsführer Dr. Ludwig Florian, VOP Diplomkaufmann Rollinger, der zukünftige VOP stud. jur. Vollmer.

 

Der 1. Vorsitzende des AHZ konnte bei der Begrüßung der Gäste und Bundesbrüder mit Freuden feststellen, daß durch die Grün­dung der neuen Korporation das an sich schon blühende unitarische Leben in Essen einen neuen Auftrieb erhalten hat. Es sei nach den beiden Weltkriegen über den Wert oder Unwert studentischer Korporationen viel geschrieben und heftig diskutiert wor­den. Immer wieder habe sich aber gezeigt, daß die katholischen Studentenverbände am besten gegen Mißstände und Auswüchse des Korporationslebens gefeit seien. Die katho­lischen Korporationen seien aus ihrer Grund­haltung heraus auch immer zeitnah gewesen. Im besonderen Maße gelte dies für die Kor­porationen des UV, deren Mitglieder bei den WSWS in ihren Studien beachtlich gefördert würden und zugleich Gelegenheit fänden, mit den Zeitproblemen eingehend sich ausein­anderzusetzen. Für die Eltern der Studieren­den sei es beruhigend, den in der Universi­tätsstadt erstmalig auf sich allein gestellten Sohn in einer Gemeinschaft zu wissen, in der der gute Geist des Elternhauses weiter ge­pflegt werde. Die neue Korporation habe sich einen Namen erwählt, der verpflichte. Sie habe bewußt an uralte heimische Tradi­tion angeknüpft. Für Studierende der Päd­agogik sei der große Lehrer des Volkes an der Ruhr, der hl. Bischof Liutger, ein nach­ahmenswertes Vorbild. Aus Essen-Werden, wo die sterblichen Überreste dieses großen Heiligen ruhen, seien gebürtig die Mitbe­gründer des Unitas-Verbandes Ludger Pott­hoff und Ludger Pingsmann, denen man bei der hl. Taufe den Namen des hl. Liutger ge­geben habe. VOP Rollinger publizierte so­dann die Aufnahme von Unitas Liutger in den UV und verpflichtete mit Handschlag den Senior Heinz Preuthen und damit die ge­samte Korporation auf die Prinzipien des Verbandes.

 

Dr. Ludwig Florian betonte als Festredner, daß der UV nicht die „alte Burschenherrlich­keit" wieder aufleben lassen wolle und sich nicht in der Pflege äußerer Formen er­schöpfe. Als eine brüderliche Gemeinschaft, die ihre Mitglieder zu überzeugungstreuen und charaktervollen Menschen erziehen wolle, sei die Unitaskorporation immer zeit­nah. Er wies auf die besonderen sozialen Verhältnisse des Ruhrgebietes hin, denen sich auch Unitas Liutger zu stellen habe. Er wies darauf hin, daß der UV Männer zu sei­nen Mitgliedern gezählt habe und auch heute noch zähle, die Beachtliches für die Lösung der sozialen Frage seit Jahrzehnten bereits durch ihr Beispiel geleistet hätten. Gerade den Studierenden der Pädagogischen Akade­mien als den künftigen Lehrern des Volkes erwüchsen hier besondere Aufgaben. Er ging kurz auf die augenblicklichen Probleme betr. die Erhaltung und Förderung der konfessio­nellen Schulen ein, die für die Studierenden einer katholischen Akademie besonders wich­tig sind. Einen Gruß entbot er den Brüdern hinter dem Eisernen Vorhang. Gerade der Akademiker habe die Pflicht, mit den Proble­men des Alltags vertraut zu sein und nicht zu vergessen, daß bei aller Betriebsamkeit das Vertrauen in die Kraft des Gebetes er­halten bleiben müsse.

 

Die anwesenden Damen waren allein schon durch das farbenprächtige Bild nicht zu kurz gekommen. Sie sangen mit Begeisterung die frohen, frischen Lieder mit, die Bernhard Sluytermann v. Langeweide, ein krasses Fuchslein von Unitas-Liutger, schneidig be­gleitete. Im inoffiziellen Teil wurde mit viel Applaus die festliche Damenrede von Bbr. Dipl.-Berging. Paul Schulz aufgenommen.

 

Am Grabe des hl. Liutger, in der Krypta der alten Abteikirche in Werden, versam­melte am Sonntagvormittag die unitarische Familie mit vielen Gästen sich zur Gemein­schaftsmesse, die von Bbr. Bernhard Mäkel zelebriert wurde. Vorbeter und eine gute Schola, Priester und betende und singende Gemeinde vereinten sich zu einer würdigen und andachtsvollen Meßfeier an hl. Stätte. In seiner Predigt zeichnete der Zelebrans das Bild des hl. Liutger. Er hob zwei Eigenschaf­ten besonders hervor: den Mut zur Stille, zur Besinnung in der Einsamkeit, die nicht nur Voraussetzung für die Bildung des Gewis­sens, sondern auch für ein erfolgreiches Stu­dium sei, und den Willen zur Freude und Fröhlichkeit im Geiste des Herrn, der unita­rische Korporationen immer beherrscht habe.

 

Der Kleine Festsaal im städt. Saalbau war fast zu klein für die überaus große Teilneh­merzahl beim Gesellschaftsabend am Sonn­tag. Sie war aber bei den Planungen berück­sichtigt worden, denn den eifrigen Tänzern blieb genügend Raum im Foyer vor dem Saal. Jugend und Alter wetteiferten bei alten und neuen Tänzen. Höhepunkt war zweifellos die Damenrede von Bbr. Fachschulleiter Egon Pelzer, der in wohlgelungenen Versen mit schauspielerischer Fertigkeit den Damen Winke gab, wie die Vertreter der verschie­denen Fakultäten als Ehemänner behandelt werden müssen. Es war im Saale mäuschen­still, bis am Ende der Damenrede, die eine ganz andere war als die sonst üblichen, stür­mischer Applaus sich erhob. Und dann tanzte, sang, spielte und unterhielt man sich angeregt bis zur mitternächtlichen Stunde.

 

Hans Greefrath

Aus: unitas, 100. Jg. August 1960, Heft 8, 163f.


1961: 84. Generalversammlung in Essen

 

Vor der Messe im Essener Münster versammelten sich die Chargen auf dem Burgplatz. 

 





Bilder aus dem Fotoalbum von Bbr. Johannes Schütz



Programm des Festakts am 21.5.1961 im Städtischen Saalbau


1965/66: Gründung der UNITAS Robert Schuman in Bochum


Im Sommer 1965 fasste die Bochumer Altherrenschaft den Entschluss, an der neuen Hochschule eine UNITAS-Korporation zu gründen. „Mit großem Eifer“, berichtet die Verbandszeitschrift damals (106.Jg., 8/1966, August, 157-159), wurde gleich im Wintersemester 1965/66 ein Programm aufgestellt und durchgeführt. Die 89. Generalversammlung des UV in Trier nahm am 1. Juni 1966 den Antrag auf Aufnahme des jüngsten Sprosses des UNITAS-Verbandes einstimmig an. Die Publikation am 24.-26. Juni sollte dem neuen Geist, der in Bochum herrschte, in gebührender Weise Rechnung tragen. Unerwartet groß war die Unterstützung besonders beim UNITAS-Altherrenzirkel Münster: Die Münsteraner Korporationen verlegten ihren gemeinsamen Stiftungsfestkommers ins Ruhrgebiet und erschienen mit 160 Bundesbrüdern und Alten Herren zum Gründungskommers in Bochum.

300 Gäste und besonderes Profil

Über 300 Unitarier begrüßte cand. phil. Heinz Abels, Senior der UNITAS-Bochum, 17 unitarische Korporationen und die beiden befreundeten Korporationen des CV und KV zu Bochum hatten ihre chargierten Vertreter entsandt – „erster Beweis des Vertrauens und der Unterstützung aller Unitarier für die junge Korporation“, wie die UNITAS-Zeitung bemerkte. Bbr. Abels erinnerte an die Besonderheiten an der gerade aus dem Boden gestampften neuen Universität: „Traditionen und aus Geschichte und Erfahrung resultierende Hilfen gab es nicht. Eine aufstrebende Industriestadt mit all ihrer Dynamik und ihrem Anspruch auf zeitgemäße Formen und Inhalte wurde mit einer Institution konfrontiert, die auf eine ehrwürdige, doch manchmal auch antiquierte Geschichte zurückgreifen konnte.“ In diesem Spannungsfeld zeigten sich neue, wichtige Probleme. „Offenheit für alle Probleme, soziale Bereitschaft und die stetige Überprüfung vorgegebener Ideale in einen Einklang mit unseren unitarischen Prinzipien zu bringen, mußte gerade hier im Ruhrgebiet erste Aufforderung zur Dokumentation sein.“ 


Sehr offen zeigte sich die junge Ruhr-Universität für die unitarischen Aktivitäten: Rektor Prof. Dr. Heinrich Greeven, Prorektor Prof. Dr. Johann Schwartzkopff, Kanzler Dr. Wolfgang Seel und der Dekan der Katholisch-theologischen Fakultät Prof. Dr. Georg Teichtweier luden zum Gespräch ein. Denn der Gast, den die frisch gegründete Korporation als Festredner zum Kommers hatte gewinnen können, war niemand anderer als der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Bundesbruder Dr. phil. Dr. jur. Karl Fürst zu Löwenstein.

 

Die Gründung der UNITAS Bochum sei eine „wohlbedachte Antwort an die Skeptiker, die meinen, Korporationen seien - zumal an einer so modern konzipierten Universität - schlechthin eine unzeitgemäße Erscheinung“, erklärte in Anschluss der Vorsitzende des Bochumer Altherrenvereins, Oberstudienrat Johannes Serwe. UNITAS Bochum wachse aus eigener Wurzel. Die junge Korporation habe in echtem Gründergeist „ein berechtigtes Verlangen“, einen Namen zu tragen, der ihrer angestrebten Wesenseigenart entsprechen solle: „Möge die Rechtfertigung der Namensgebung sich darin zeigen, daß in der Korporation, die seinen Namen von heute ab trägt, Geist von seinem Geiste lebendig sei! Robert Schuman -, er ist der Baumeister des Europas der ersten Stunde genannt worden. Hier, wo im Herzen des deutschen Montangebietes in einem der größten Bauvorhaben Europas dem Geist der Zukunft durch die Entstehung der neuen Universität gehuldigt wird, wird der wissenschaftliche katholische Studentenverein UNITAS-ROBERT SCHUMAN an der Ruhruniversität Bochum die mit diesem Namen gegebene Verpflichtung in gleichermaßen demütiger wie stolzer Freude auf sich nehmen.“

 

Das Bild von Bbr. Robert Schuman auf dieser Seite stammt aus dem Time Magazine, 1. März 1948


Zum Bericht in der Verbandszeitschrift (unitas 3/2006)

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