Die Spur des Glaubens weiterführen:
Tausende Gläubige feierten Ludgerusfest 2009 in Werden


ESSEN,
6. September 2009. Tausende Gläubige begleiteten am Sonntag nach einem festlichen Pontifikalhochamt in der Basilika den Schrein des Hl. Ludgerus durch die Straßen in Essen-Werden. Viele Bischöfe hatten sich in diesem Jahr auf den Weg in die Abteistadt gemacht: Bbr. Joachim Kardinal Meisner aus Köln, Päpstlicher Legat für die Feierlichkeiten, Felix Genn aus Münster, Franz-Josef Bode aus Osnabrück, Luc van Looy aus dem Bistum Gent/Belgien, Bischof Gilbert Louis aus Chalons-en-Champagne/Frankreich, der Nuntius von Guinea und Mali, Erzbischof Dr. Martin Krebs, sowie die Essener Weihbischöfe Franz Vorrath, Ludger Schepers und Franz Grave nahmen an Messe und Prozession in Werden teil. Vertreter des Paderborner Erzbischofs war Generalvikar Bbr. Alfons Hardt. Auch für die mitfeiernde UNITAS Ruhrania war es der Höhepunkt des Ludgerusjahres, das nach der Festwoche zum 1200. Todestag des großen Heiligen Europas zu Ende ging.



 

Segensworte von Papst Benedikt XVI.

 

Liudger sei ein „eifriger und hervorragender Hirte und Verkünder der Heilsbotschaft“, würdigte Papst Benedikt XVI. das Vermächtnis des Heiligen. In einem von Propst Johannes Kronenberg verlesenen Schreiben an den Kölner Erzbischof Bbr. Joachim Kardinal Meisner betonte Papst Benedikt, das Glaubenszeugnis des Heiligen rage bis heute durch seine große Bedeutung hervor und fordere alle Gläubigen dazu heraus, „dass sie sich darum bemühen, Christus besser zu kennen und zu lieben“. Auch an den Diözesanadministrator des Bistums Essen, Weihbischof Franz Vorrath, hatte der Heilige Vater ein Grußwort gerichtet: „Der heilige Liudger möge uns alle mit seiner himmlischen Fürbitte begleiten und uns helfen, dass auch wir wie er den Spuren des Herrn folgen sowie die Spur des Glaubens in unserem Land weiterführen“, so Papst Benedikt.



 

Das Vermächtnis Liudgers erfüllen

 

„Das Grab des heiligen Ludgerus ist für uns Auftrag, nicht nur seine Grabeswächter zu sein, sondern sein Vermächtnis zu erfüllen“, unterstrich Joachim Kardinal Meisner in der bis auf den letzten Platz gefüllten Basilika. Die missionarische Tätigkeit dieses Heiligen habe „die Spuren Christi tief in den europäischen Kontinent eingegraben“. Bis heute lebten die Menschen hierzulande von dieser christlichen Substanz, die den Kern christlich-abendländischer Kultur ausmache, erklärte der Kardinal in seiner engagiert und temperamentvoll gehaltenen Predigt. Dieser kulturelle Kern allerdings scheine heute aufgebraucht zu sein: Die heutige Zeit sei voller Religiosität, aber weithin ohne Glauben an Gott. Auch Christen würden dabei oft leider keine Ausnahme machen, beklagte Meisner.

 

Warnung vor gottloser Gesellschaft

 

Die mangelnde Kenntnis über Christus sei nur ein „anderer Name für fromme Gottlosigkeit“. Zwar sei die Zeit geprägt von Ökumene und interreligiösen Gesprächen mit Muslimen, Buddhisten und Shintoisten, die unsere Nachbarn geworden seien, so Meisner. Aber echten Dialog gebe es nicht, „weil wir Christen weithin nicht mehr Rede und Antwort über die Inhalte unseres Glaubens stehen können“. Darum verliere auch die Kirche immer mehr an äußerem Terrain. Viele Christen - auch unter anderem an den Universitäten - so Meisner weiter, könnten oft kaum noch kompetent Stellung beziehen, „weil viele einfach nicht mehr ihren Katechismus kennen“: „Wenn wir kein wirklich katholisches Profil mehr haben, können wir auch unsere Umwelt nicht mehr prägen“, warnte er.

 

Unsere Gegenwart braucht auskunftsfähige Christen


Im Leben und Wirken des heiligen Ludgerus werde – so der Kardinal - deutlich, dass der Christ nur nach außen wirken könne, wenn er sich „nach innen dem Geheimnis Gottes genähert hat“. Die tiefe Gottes- und Welterfahrung des Heiligen habe Kräfte freigesetzt, die die Welt verändert hätten: „Unsere Gegenwart braucht nichts nötiger als solche Christen, die auskunftsfähig sind über ihren Glauben und die ihn deshalb auch mit ihrem Leben bezeugen können.“ Alles andere trage heute nicht mehr. Deshalb sei Ludgerus im heutigen missionarischen Auftrag gleichsam ein Zeitgenosse. Wo der Glaube mit Freude gelebt werde, wo es echte christliche Familien, Gemeinschaften und Gemeinden gebe, „dort entsteht eine missionarische Ausrichtung quasi wie von selbst“, so der Kardinal. Christen seien die „ersten Apostel“ für die Fernstehenden vor Ort, für die Ausgetretenen und Ungetauften, die mit ihnen zusammenleben. „Das ist die Botschaft vom heiligen Ludgerus“, betonte der Kölner Erzbischof und schloss: „Tun wir ihn, den ersten Schritt - heute noch!“ (Die Predigt im Wortlaut / domradioSkript als pdf zum Download)



 

Prozession mit ökumenischem Akzent


Viele Gläubige folgten wie seit 1128 dem silbernen Reliquienschrein betend und singend im Anschluss an die Messe durch die festlich geschmückten Straßen. Auch an der evangelischen Kirche in Werden machte die Schrein-Prozession Halt. „Glaube immer persönlich, aber nie privat“, betonten hier Pfarrerin Meret und Pfarrer Martin Schmerkotte. Von Jesus fasziniert zu sein, sei eine „konfessionsübergreifende Erfahrung“. Diese Faszination müsse, wie bei dem heiligen Liudger, ausstrahlen. „Er wollte andere Menschen von Gott begeistern und ist auf sie zugegangen.“


(v.l.) Die Bundesbrüder AH Hanno Hesterkamp, Damian Juretzki ( X des.) und

Philipp Böcker (X) führen die UNITAS-Abordnung in Werden an


Studenten mit der Ludgerusfahne

 

Wie groß der Andrang zum Höhepunkt des Ludgerusjahres war, zeigt die Tatsache, dass zahlreiche Gläubige die Messe nur außerhalb der Basilika verfolgen konnten. Selbst zahlreiche Ehrengardisten, aber auch die Abordnung der UNITAS Ruhrania, konnten Messe  nur vom Haupteingang aus verfolgen. Bei der Prozession reihten sie sich mit der Ludgerus- und Münsterfahne in den schier endlosen Zug durch die Altstadt, der singend und betend den schweren Schrein in die Mitte nahm.

Alte Herren und Aktive - manchen steckte der Samstag mit den erfolgreichen Aufräumarbeiten am UNITAS-Haus in Essen-Borbeck noch in den Knochen - standen nach dem Schlusssegen einer ganzen Reihe von Anfragen zum einzigen beim Fest vertretenen Studentenverein Rede und Antwort. Sie grüßten unter den in der Menge teilnehmenden Bundesbrüdern u.a. Pfr. Dr. Peter Dückers, der die Messe für das Kölner „domradio" in Rundfunk und Internet kommentierte, Gerfried Küpper, den Vorsitzenden der „Communitas Sancti Liudgeri“, den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Paul Hoffacker und Dr. Richard Laudage - der Essener UNITAS-Zirkelvorsitzende Martin Gewiese hatte bei der Messe im Chor mitgesungen. Anschließend versammelten sich die Studenten im Lokal Alt-Werden, wo sie mit dem Altherrenvereinsvorsitzenden Helmut Wiechmann, dem Ehrensenior Bbr. Christof Beckmann sowie Heinrich und Doris Loosen zusammentrafen - ein gemeinsamer Besuch am Geburtshaus von UNITAS-Verbandsgründer Hermann Ludger Potthoff in der Hufergasse gehörte zum Treffen natürlich dazu. Ein gemeinsames Essen und ein Einfall bei Bbr. Christoph Weyer in seiner Werdener Bude beschloss den Tag, der entgegen allen Vorhersagen keinen Tropfen Regen bescherte.



 

Quellen u.a.: Bistum Essen
BIldnachweis: Nicole Cronauge (Einzelbilder Basilika), Christof Beckmann (Flashs)
s. Meldung vom 2.9.2009:
Bbr. Kardinal Meisner ist Papstgesandter in Essen-Werden




Veröffentlicht am: 18:24:20 06.09.2009
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