VATIKANSTADT.
Die 1854 gewählte Devise des UNITAS-Verbands „in neccessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ (Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem aber Liebe) soll auf ihn zurückgehen: Augustinus von Hippo (354-430), Sohn der Hl. Monika von Tagaste, zuerst Zocker, Taugenichts und später als Kirchenlehrer heilig gesprochen, ist der Star eines Spielfilms, der bald im TV zu sehen ist. Bei einer Vorführung am Mittwochabend in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo würdigte ihn Papst Benedikt jetzt als „grandios“. Die Fernseh-Biographie ist eine deutsch-italienisch-polnische Koproduktion von Lux Vide/RAI Fiction, Bayerischem Rundfunk/Tellux Film, Eos Entertainment RAI Trade und Grupa Filmova Baltmedia. Sie wird nach Angaben des Senders voraussichtlich noch in diesem Jahr im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Film ist eine gut einstündige Zusammenfassung einer insgesamt dreistündigen Fernsehproduktion in zwei Teilen.

Papst Benedikt und Augustinus


Der heilige Augustinus wird von Benedikt XVI. besonders verehrt. In seiner Doktorarbeit von 1953 hat er sich ausführlich mit dem Denken dieses spätantiken Theologen beschäftigt. Auch in seinen päpstlichen Verlautbarungen zitiert er regelmäßig den heiligen Augustinus. In einem Grußwort zum aktuell in Rom stattfindenden 11. Interchristliche Symposion (Thema: „Der heilige Augustinus in der westlichen und östlichen Tradition“, Veranstalter: „Istituto Francescano di Spiritualità“ der Päpstlichen Universität „Antonianum“, Orthodoxe Theologische Fakultät der Aristoteles-Universität Thessaloniki) unterstrich er die Bedeutung des Heiligen für eine tiefere Beziehung zwischen Katholiken und Orthodoxen: „Der Heilige aus Hippo, ein großer Vater der lateinischen Kirche, ist für die Theologie und Kultur des Abendlandes von grundlegender Bedeutung, während sich die Rezeption seines Denkens in der orthodoxen Theologie ziemlich problematisch erwiesen hat“. Aus diesem Grund werde eine Kenntnis der Reichtümer in Lehre und Spiritualität, die das Erbe des christlichen Ostens und Westens bildeten, nicht nur dafür wichtig, um sie in ihrem Wert zu erkennen, sondern auch für die Förderung einer besseren gegenseitigen Wertschätzung unter allen Christen.

 

Der Film – eine „geistliche Reise“

 

Die Aufführung der gekürzten Filmfassung in Castel Gandolfo bezeichnete Papst Benedikt als eine „geistliche Reise“ auf einen Kontinent, der sehr weit von uns entfernt, uns aber dennoch sehr vertraut sei, da „das menschliche Drama immer das selbe ist“. Er dankte besonders dem Bayerischen Rundfunk, dem italienischen Staatsfernsehen RAI und der Produktionsfirma „Lux Vide“. „Wir haben gesehen, wie in einem für uns sehr fernen Zusammenhang die ganze Wirklichkeit des menschlichen Lebens dargestellt wird, mit allen Problemen, Traurigkeiten und Misserfolgen“, so der Papst. Gleichzeitig sei deutlich geworden, dass am Ende „die Wahrheit stärker ist als jedes Hindernis und den Mensch findet“. Dies sei die große Hoffung, die am Schluss bleibe: „Wir können die Wahrheit nicht alleine finden, sondern die Wahrheit, die Person ist, findet uns.“

Von außen betrachtet erscheine das Leben des heiligen Augustinus tragisch zu Ende zu gehen: Die Welt, für die und in der er gelebt hatte, wurde zerstört. „Wie aber hier zum Ausdruck gebracht wird, ist seine Botschaft bleibend, und auch in den Veränderungen der Welt dauert sie fort, da sie der Wahrheit entstammt und zur Liebe hinführt, die unsere gemeinsame Bestimmung ist“, erklärte Benedikt XVI. und äußerte die Hoffnung, dass viele, die dieses menschliche Drama sehen, von der Wahrheit gefunden werden und die Lieben finden mögen.


Im Zentrum des Films stehen die ‚Confessiones’ („Bekenntnisse“) des Augustinus. „Sie zählen zu den großen autobiographischen Werken der Weltliteratur“, erläutert die für die Produktion zuständige BR-Redakteurin Bettina Ricklefs: „Als scharfer Dialektiker, begabter Psychologe und einer der großen originellen Denker der Christenheit berührt Augustinus Zeitfragen und existentielle Dimensionen von großer Aktualität.“




Informationen zum Inhalt:


Hippo, Nordafrika, 430 nach Christus. In der von den Vandalen umzingelten Stadt erwarten die römischen Bürger ihr Schicksal. Bischof Augustinus (Franco Nero) versucht eine friedliche Übergabe der Stadt zu vermitteln, während der skrupellose Statthalter Valerius (Alexander Held) in der Notlage eine Chance sieht, seine Karriere zu befördern. Beide bemühen sich um den jungen Centurio Fabius (Sebastian Ströbel), der mit seinen Truppen wie durch ein Wunder im Schatten eines Sandsturmes in den Stadtmauern Zuflucht finden konnte.


Die Situation könnte dramatischer nicht sein, die Lage für die Bewohner von Hippo wie für die verbliebene römische Garnison ist angesichts der Übermacht der Belagerer aussichtslos. Augustinus, der am Ende seines Lebens steht, möchte Fabius überzeugen, sich nicht sinnlos zu opfern und erzählt ihm seine Lebensgeschichte: die Jugend in Tagaste, seine Ausbildung zum Redner und Anwalt in Karthago, seine große Liebe zu der Leibsklavin Khalida (Sereba Rossi), die Geburt seines Sohnes, seine Karriere als brillanter Rhetoriker. Aber trotz seines Erfolges zweifelt Augustinus und sucht eine geistige Heimat, die er schließlich beim Christentum findet. Er lässt sich taufen und wird zum Bischof von Hippo geweiht. Mit seiner besonnenen Art und seinem diplomatischen Geschick kann er immer wieder Konflikte lösen.



Franco Nero spielt im Film den alten Augustinus. An seiner Seite stehen zahlreiche deutsche Schauspieler: Alexander Held, Sebastian Ströbel, Götz Otto, Johannes Brandrup, Dietrich Hollinderbäumer und Aglaia Szyszkowitz. Die Regie führt Christian Duguay („Human Trafficking“, „Coco Chanel“, „Hitler – der Aufstieg des Bösen“), das Drehbuch verfasste Francesco Arlanch.


Doch in der belagerten Stadt Hippo kann er die Römer nicht vom Angriff auf die Vandalen abbringen. Dieser Angriff gerät zum Fiasko, aber es gelingt Augustinus in einem Gespräch mit dem Vandalenkönig Geiserich (Götz Otto) ein Friedensangebot auszuhandeln. Geiserich verspricht, die Bewohner und ihren Besitz zu verschonen, wenn sie die Stadt freiwillig übergeben. Er lässt die gefangenen römischen Soldaten frei. Die Bevölkerung Hippos setzt jedoch auf die römische Flotte, die zur Befreiung der Stadt unterwegs sein soll, und lehnt das Friedensangebot ab. Augustinus stellt Fabius und seiner Nichte Lucilla (Katy Saunders), die sich in der Zwischenzeit verlobt haben, ein Schiff zur Verfügung, das vom Papst eigentlich für seine eigene Rettung vorgesehen war. Er selbst bleibt in der Stadt zurück, die nun von den Vandalen vernichtet wird.


Die TV-Serie ist das fünfte Projekt von Lux Vide, das den Aufstieg und Untergang des Römischen Reiches mit den Augen historischer Figuren nachzeichnet. Lux Vide ist auch für sein Bibel-Projekt bekannt, das 13 Mini-Serien über Bücher und Hauptpersonen der Heiligen Schrift hervorgebracht hat. Die italienische Produktionsfirma ist gemeinsam mit anderen Produzenten an der Neufassung von „Ben Hur“ beteiligt.

Trailer ansehen: http://www.luxvide.it/en/augustine-49.html



LINK: Zentrum für Augustinusforschung in Würzburg / Augustinus-Lexikon, Website der deutschen Augustiner, Lebensbeschreibung des Possidus in Deutsch
Fotos: www.luxvide.it

 Aus dem Leben des Augustinus von Hippo

Gozzoli, um 1464-65: „Tolle, lege! – Nimm und lies“ – die Bekehrung des Augustinus von Hippo. Fresko, 220 x 230, Kapelle  Sant'Agostino, San Gimignano.


Der Plot des Films nimmt Bezug auf das 28. Kapitel der von Possidus von Calama (370-437) verfassten Lebensbeschreibung des Hl. Augustinus, die auch als „schönsten Biographie der Spätantike“ bezeichnet wurde. Possidius war Mönch und Bischof von Calama in Numidien und lebte als Schüler und Wegbegleiter des Augustinus in dessen Konvent.

 

„ ... Bald danach ließ Gottes Wille und Macht es zu, dass ungeheure Heerscharen, kriegstüchtig und mit Waffen jeglicher Art ausgerüstet, heranrückten. Es waren die Schrecken und Grauen erregenden Horden der Vandalen und Alanen, denen sich Goten und allerlei Volk angeschlossen hatten. Auf Schiffen waren sie von Spanien her über das Meer gefahren und überschwemmten ganz Afrika. Sie besetzten alle Orte Mauretaniens und machten von hier Ausfälle in die umliegenden Provinzen und Gegenden. Mit aller nur erdenklichen Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit gingen sie vor. Sie plünderten, mordeten, quälten die Menschen auf jede Weise und steckten die Häuser in Brand. Das ganze Land wurde durch dieses verruchte Treiben völlig entvölkert. Die Feinde schonten weder Geschlecht noch Alter, weder Priester noch die anderen übrigen Kirchendiener. Auch die Kirchen, ihr Schmuck und Gerät, fielen ihrer Zerstörungswut zum Opfer.

Augustin, der Mann Gottes, sah diese schreckliche und wilde Verheerung, die kein Ende nehmen wollte, mit ganz anderen Augen an als die übrigen Menschen. Der Blick seines Geistes ging höher und tiefer. Vor allem witterte er bei diesem Elend die Gefahren und den Tod der Seelen. Mehr als sonst waren deshalb Tränen bei Tag und Nacht sein Brot. Sagt doch die Schrift (Ekkl 1,18): „Je tiefer das Wissen, umso größer der Schmerz“, und „Ein verstehendes Herz ist wie ein nagender Wurm im Gebein“. So waren gerade die allerletzten seines Greisenalters voll Bitterkeit und Trauer, mehr als alle übrigen.

Der Anblick, den seine Umgebung bot, war überaus niederdrückend. Er sah: Städte durch Feuersbrunst zerstört, die Bewohner verjagt oder vom Feind hingemordet, Kirchen ihrer Priester und Diener beraubt, gottgeweihte Jungfrauen und Männer der Enthaltsamkeit allerorts vertrieben. Einige von ihnen waren den Folterqualen erlegen, andere durch das Schwert umgebracht. Wieder andere hatten in der Gefangenschaft die Makellosigkeit der Seele und des Leibes und die Reinheit des Glaubens eingebüßt und schmachteten nun bei ihren Feinden in harter Sklaverei.

Hymnen und Gotteslob waren in den Kirchen verstummt, die fast allerorts in Schutt und Asche lagen. Das feierliche Gott gebührende Opfer war an seinen Weihestätten eingestellt. Die heiligen Sakramente begehrte man nicht mehr, und wenn man sie begehrte, fand sich nur schwer ein Spender. Die Leute versteckten sich in Gebirgswäldern, Felsenhöhlen und anderen Schlupfwinkeln oder zogen sich in befestigte Plätze zurück. Da wurden die einen gefangen und getötet, die anderen so des nötigen Lebensunterhalts beraubt, dass sie Hungers dahinstarben. Die Vorsteher der Kirche und Geistlichen, die durch Gottes gütige Führung den Feinden entweder nicht in die Hände fielen, oder ihnen, wenn sie gefangen wurden, wieder entkamen, waren all ihrer Habseligkeiten beraubt und mussten in bitterster Not betteln gehen. Es war unmöglich, allen auch nur die notwendigste Hilfe zu bringen.

Von den ungezählten Kirchen waren nur drei übrig geblieben, nämlich die von Karthago, Hippo und Zirta. Gottes gnädige Hand hatte sie vor der Zerstörung bewahrt. Die genannten Städte, von Gott geschützt und den Menschen verteidigt, stehen noch jetzt.

Nach Augustins Tod indes wurde Hippo von seinen Bewohnern endgültig aufgegeben und von den Feinden eingeäschert. Bei all seinen Drangsalen und Heimsuchungen tröstete sich Augustin mit dem Wort eines Weisen, der da sagt: „Der ist nicht groß, der es für etwas gar Bedeutsames hält, wenn Bäume und Steine fallen und Menschen sterben.“

All diese Vorgänge beklage er täglich bitter. Er war ja ein großer Weiser. Zu all seinem Leid und Schmerz kam noch hinzu, dass die Feinde heranrückten, um nun auch das noch stehende Hippo zu belagern. Die Verteidigung der Stadt war dem Truppenbefehlshaber Bonifatius anvertraut, dem ein Heer verbündeter Goten zur Seite stand. Fast vierzehn Monate hielten die Feinde Hippo umzingelt. Auch den Zugang zum Meere hatten sie den Einwohnern abgeschnitten.

Dorthin hatten wir uns mit benachbarten Mitbischöfen geflüchtet und weilten während der ganzen Belagerung in der Stadt. So hatten wir Gelegenheit, uns oft miteinander zu unterhalten und die schrecklichen Gerichte Gottes, die sich vor unseren Augen abspielten, zu betrachten. Häufig sprachen wir: „Gerecht bist du, o Herr, und gerecht ist dein Gericht“ (Ps 118,137). So klagten und weinten wir zusammen und flehten zum Vater der Erbarmung und Gott allen Trostes, auf dass er sich würdige uns in solcher Trübsal aufzurichten.“ ….

 

Dazu das Buch des Bochumer Theologen Prof. Wilhelm Geerlings: Aurelius Augustinus, Possidius, Wilhelm Geerlings (Hrsg). Vita Augustini, zweisprachige Übersetzung (lateinisch/deutsch) mit Einleitung (2005), ISBN 978-3506710222

 



BUCHTIPP

Benedikt XVI.: Leidenschaft für die Wahrheit


Eine Neuerscheinung vom September 2009 dokumentiert die wichtigsten Augustinus-Texte aus dem Pontifikat Benedikts XVI., der als Dreiundzwanzigjähriger seine akademische Laufbahn mit einer Doktorarbeit über die Ekklesiologie des nordafrikanischen Kirchenvaters („Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche") begonnen hatte. Seit Joseph Ratzingers Dissertation zieht sich die Beschäftigung mit Augustinus durch sein Wirken als Professor, Konzilstheologe, Bischof und Kurienkardinal, prägt aber auch sein Pontifikat. Der Augsburger Sankt Ulrich Verlag hat die bedeutendsten Augustinus gewidmeten Verlautbarungen aus der bisherigen Amtszeit Papst Benedikts XVI. in einem Band versammelt. Eine Einladung, sich mit dem Werk des Kirchenvaters zu beschäftigen: „Wenn ich die Schriften des heiligen Augustinus lese, habe ich nicht den Eindruck, dass es sich um einen Mann handelt, der vor mehr oder weniger 1600 Jahren gestorben ist, sondern ich spüre ihn wie einen Menschen von heute: einen Freund, einen Zeitgenossen, der zu mir spricht, der mit seinem frischen und aktuellen Glauben zu uns spricht."

 

Das Buch: Benedikt XVI.: Augustinus. Leidenschaft für die Wahrheit. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg, 2009, gebunden, 142 Seiten, EUR 12,90.


 

 




Veröffentlicht am: 16:44:55 04.09.2009
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