KÖLN / ESSEN.
Bundesbruder Kardinal Joachim Meisner ist Päpstlicher Legat für die Ludgerusfeiern in Essen-Werden. Der Kölner Erzbischof und Metropolit der Kölner Kirchenprovinz wird am Sonntag als persönlicher Gesandter von Papst Benedikt XVI. zum Abschluss der Ludgerus-Festwoche in Essen-Werden erwartet und feiert um 10.00 Uhr in der Werdener Ludgerus-Basilika einen festlichen Gottesdienst. In einem Schreiben des Vatikan an Kardinal Meisner würdigt der Papst vor allem die Kirchen- und Klostergründungen Liudgers: Dieser habe dadurch neue „Außenposten der Glaubensverbreitung geschaffen“.

 

An der Messe nehmen neben den Essener Weihbischöfen Franz Vorrath und Ludger Schepers auch die Bischöfe Felix Genn aus Münster, Franz-Josef Bode aus Osnabrück, Luc van Looy aus dem belgischen Gent und Gilbert Louis aus dem französischen Chalons-en-Champagne teil. Das „Fest der Umtragung der Gebeine des heiligen Liudger“ bildet den Abschluss der Festwoche zum 1.200. Todestag des Heiligen Liudger, des ersten Bischofs von Münster und Apostel der Sachsen und Friesen. Im Anschluss an das Pontifikalamt wird der Schrein mit den Gebeinen Liudgers in einer Prozession durch die geschmückten Straßen des Essener Stadtteils Werden getragen. Eine Statio ist an der Evangelischen Kirche, die Schlussfeier in der Basilika. Die musikalische Gestaltung haben die Chöre der Propsteipfarrei St. Ludgerus und das Werdener Blasorchester übernommen. Nach der Pontifikalvesper um 18 Uhr mit Diözesanadministrator Franz Vorrath wird der Schrein wieder in die Krypta zurückgeführt. Die Vesper wird musikalisch gestaltet von der Capella Ludgeriana, dem Knabenchor am Hohen Dom zu Münster. Mit diesem Gottesdienst endet die Festwoche des unter dem Motto „In der Spur des Glaubens“ stehenden Ludgerus-Jahres 2009.


Der Trageschrein des Hl.Liudger aus der Schatzkammer in Werden

 

Festliche Schreinsprozession durch Werden

 

Die jährliche Umtragung der Reliquien geht auf ein Gelübde des Abtes Bernhard von Wevelinghoven zurück, das er 1128 gab, um eine Hungersnot von Werden abzuwenden. Besonders viele Delegationen aus Gemeinden und Fahnenabordnungen aus dem In- und Ausland werden im Jubiläumsjahr den schweren Schrein begleiten, dessen Träger wegen des hohen Gewichts absoluten Gleichschritt einhalten und immer wieder wechseln müssen. Dies wissen nicht zuletzt Mitglieder der UNITAS Ruhrania, die in früheren Jahren bereits die Ehre als Träger hatten. Auch in diesem Jahr werden die Studenten mit der aus Münster stammenden Fahne des Vereins und dem Ludgerus-Banner der Essener UNITAS St. Liudger die Prozession wieder begleiten.

 

Der aus dem Jahr 1787 stammende Schrein des Heiligen aus teilvergoldetem Silber mit Rokoko- und Empireornamentik ist ein Werk des Essener Goldschmieds Johann Ignatius Schiffer und wird in der Schatzkammer aufbewahrt. Das große Medaillon auf der einen Längsseite zeigt den Werdener Abteiberg mit der Kirche und ihrem zwiebelförmigen barocken Westturm. Auf der anderen Längsseite ist eine Landschaft mit Bauernhaus und Gänsen abgebildet. Die Medaillons der Schmalseiten zeigen den hl. Liudger im bischöflichen Ornat sowie einen Birnbaum, eine Anspielung auf den Auftraggeber des Schreins, den Werdener Abt Bernhard Bierbaum. Heute beherbergt die ehemalige Benediktinerabtei neben der Ludgerus geweihten Basilika die Folkwang-Hochschule.

 

Liudger: Ein großer Heiliger Europas

 

Der Gründer der Benediktiner-Abtei in Essen-Werden und erste Bischof von Münster gehört zu den großen Heiligen Europas: Liudger (um 742-809) wurde vermutlich in Zuylen an der Vecht geboren. 777 empfing er in Köln die Priesterweihe und missionierte dann in Friesland. Vor den Sachsen flüchtete er nach Italien und verbrachte zwei Jahre im Kloster Montecassino. Karl der Große rief ihn nach Deutschland zurück und übertrug ihm die Mission der Friesen und Sachsen. 805 wurde er erster Bischof von Münster. Vier Jahre später starb er am 26. März 809 in Billerbeck nach einer Predigt. Entsprechend seinem letzten Willen wurde Liudger in der von ihm gegründeten Benediktiner-Abtei in Essen-Werden bestattet. Er ist Patron des Bistums Münster und zweiter Patron des Ruhrbistums, wird jedoch nicht nur in Werden verehrt; zahlreiche Kirchen im In- und Ausland wurden nach ihm benannt. „Der heilige Bischof Liudger hat im Auftrag von Kaiser Karl dem Großen die Mission unter den Friesen und Sachsen begonnen. Geleitet vom geistlichen Ideal des arm und asketisch lebenden Wandermissionars wirkte er wie der heilige Paulus und wie der heilige Bonifatius unermüdlich für die Bekehrung der ihm anvertrauten Völker. Trotz schwerer Niederlagen hat er sich nicht beirren lassen, den Glauben mit der Überzeugungskraft eines friedliebenden und den Menschen zugewandten, barmherzigen Missionars zu verkünden“, erklärte Benedikt XVI. in seiner Grußbotschaft zum 1.200-jährigen Jubiläum des Bistums Münster im Jahr 2005. „So wurde der heilige Liudger zum vorbildlichen und überzeugenden Anwalt der 'Liebesgeschichte' Gottes mit uns Menschen, die in der Menschwerdung und im Ostergeschehen Jesu Christi begonnen und sich seit dem Pfingstereignis in der ganzen Welt ausgebreitet hat, gemäß dem Auftrag des Herrn: 'Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern... Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt' (Mt 28,19-20).“

 

Lebendige Traditionen

 

Die Organisation und Durchführung der alljährlichen Ludgerus-Prozession am ersten Sonntag im September gehört neben der Sorge um die angemessene Verehrung des hl. Liudger zu den wichtigsten Aufgaben der „Communitas Sancti Ludgeri“. Sie wurde anlässlich des 1150. Todestages des heiligen Liudger gegründet, zu dem Bischof Dr. Franz Hengsbach 1959 die Gläubigen des neuen Ruhrbistums zum ersten gemeinsamen Glaubensfest an das Grab des Apostels der Friesen und Sachsen nach Essen-Werden eingeladen hatte. Nach dem großen Erfolg der Festwochen gründete er die „Gemeinschaft des heiligen Liudger“ und knüpfte damit an eine alte Tradition an. Sie hat 1710 ihren Ursprung, als Abt Coelestin von Geismar eine Ludgerus-Bruderschaft gründete. Damals wie heute war die Verehrung des heiligen Liudger das Ziel dieser Gemeinschaften. Die „Communitas“ zählt aktuell 35 Mitglieder und 12 Ehrenmitglieder, bemüht sich um Kontakte mit von Ludgerus gegründeten und nach ihm benannten Gemeinden, widmet sich aber auch der Pflege und Erhaltung der Grabstätte des heiligen Liudger sowie der Herausgabe von Literatur über den heiligen Liudger. So hat sie im Jubiläumsjahr 2009 ein neues Buch vorgelegt. Vorsitzender ist Bbr. Gerfried Küpper, Mitglied der UNITAS Ruhrania.



Vgl. Meldung mit weiteren Artikeln:

30.08.2009  Essen-Werden: Auftakt für Ludgerus-Festwochen  




Veröffentlicht am: 13:35:08 02.09.2009
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