Schönstatt und die UNITAS

DER UNITARIER JOSEF KENTENICH,

GRÜNDER DER SCHÖNSTATTBEWEGUNG

 

„Kentenich, Josef – Pater SAC – 5424 W. Bluemound Road, Milwaukee 8 Wisc. / USA (H 19) M6“ - dieser für manchen rätselhafter Eintrag findet sich im Gesamtverzeichnis der UNITAS im Jahre 1968. Der damals mit US-amerikanischer Adresse angegebene Pater und Bundesbruder ist niemand anderer als der Gründer der weltweiten Schönstatt-Bewegung. Dem in der UNITAS bekannten Faktum ist Bbr. Harald Braun (43) aus Mainz (UNITAS Berlin, UNITAS Ripuaria Neuss) jetzt für die aktuelle Ausgabe der Verbandszeitschrift „unitas“ nachgegangen. In minutiöser Kleinarbeit wies er die wesentlichen Kontakte und die Hintergründe seiner Mitgliedschaft nach.

 

Äußerer Anlass ist das 2009 gefeierte 90-jährige Stiftungsfest des Wissenschaftliche Katholische Studentenvereins UNITAS Rolandia Münster, der zwischen 1972 und 1991 vom AHV UNITAS Ruhrania als Patenverein begleitet wurde. Aus dem Geist der Jugendbewegung und geprägt durch die Erlebnisse des Ersten Weltkrieges hatte sich am 17. Juli 1919 in Münster die UNITAS Rolandia als neustudentisch ausgerichteter sechster UNITAS-Verein am Ort gegründet. (s. Bild rechts im Jahr 1919/20)

 

Eintritt vor 90 Jahren

 

In diesem Jahr jährt sich aber auch der Eintritt von Josef Kentenich, der am Mittwoch, 3. Dezember 1919, als „Auswärtiger Inaktiver“ seine Mitgliedschaft erklärte – so nachzulesen im „Schwarzen Brett der UNITAS“. Bis zu seinem Tod 1968 blieb er dem Verband als Mitglied treu. 1917 - drei Jahre zuvor hatte er die Schönstattbewegung in Vallendar begründet - war Josef Kentenich nach Harald Brauns Untersuchungen durch den Versand der von ihm gegründeten Zeitschrift „Mater ter admirabilis“ (MTA) an die im Feld stehenden Mitglieder der Marianischen Kongregation von Schönstatt mit der UNITAS in Berührung gekommen. Den entscheidenden Anstoß zum Eintritt Josef Kentenichs in die UNITAS gab dann allerdings offenbar der am 1.Dezember 1896 in Dortmund-Hörde geborene Schönstätter Alois Zeppenfeld. Der mit Auszeichnung dekorierte Leutnant d. R. bat noch auf dem Rückmarsch mit seiner Kompanie Josef Kentenich in einem Brief um Exerzitien in Schönstatt: „Was dann folgte, waren die Vorbereitungen für einen Sodalentag, der in Absprache mit Josef Kentenich am 19. und 20. August 1919 in Dortmund-Hörde stattfinden sollte. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich so zwischen Alois Zeppenfeld und Kentenich ein intensiver Kontakt, der in der Gründung des Apostolischen Bundes seinen Fortgang fand“, so die Erkenntnisse von Bbr. Brauns Untersuchung.

 

Bbr. Zeppenfeld und der Apostolische Bund

 

Alois Zeppenfeld zeigte sich unter den Gründungsmitgliedern des Apostolischen Bundes durch Persönlichkeit und Organisationstalent als treibende Kraft. Nach seinem Abitur am Staatlichen Gymnasium in Dortmund begann er im Herbst 1919 sein Theologiestudium in Münster und schloss sich bereits am 13. Oktober 1919 der UNITAS Rolandia an. Hier prägte er die wissenschaftlichen Themen, übernahm 1920 den Vorsitz der Münsteraner UNITAS-Vereine, wurde im WS 1920/21 zum Senior gewählt und setzte im Sommer 1921 sein Theologiestudium in Paderborn fort. Hier schloss er sich der ebenfalls neustudentisch ausgerichteten UNITAS Angrivaria an, der er als Generaldispensierter bis zum Jahre 1924 angehörte. Alois Zeppenfeld wurde am 10. August 1924 in Paderborn zum Priester geweiht, er starb am 12. September 1954 in Bochum und ist auf dem Propstei-Friedhof in Wattenscheid bestattet.

 

Der Unitarier Josef Kentenich

 

In seiner Erörterung der genauen Umstände, die zur Mitgliedschaft Kentenichs in der UNITAS Rolandia Münster geführt haben, trägt Bbr. Braun wichtige Anhaltspunkte zusammen. Danach scheint Bbr. Zeppenfeld dem Schönstatt-Gründer den Beitritt zur Rolandia nahe gebracht zu haben: „Hinzu kam die Affinität Kentenichs zu wesentlichen Elementen des UNITAS-Verbandes. Im Unterschied von anderen katholischen Studentenverbänden war die UNITAS durch ihre marianische und stark kirchlich gesinnte Ausrichtung mit „Maria Immaculata“ als Patronin besonders für Theologen attraktiv. Hinzu kam der zweite Patron der UNITAS: Thomas von Aquin, mit dem Kentenich durch sein neuscholastisches Studium gut vertraut war und dessen Verhältnisbestimmung von Gott und Welt wesentlich die theologische Sicht der „Zweitursachen“ prägte, wie sie für die Schönstatt- Bewegung typisch werden sollte. Neben dieser spirituell-theologischen Prägung der UNITAS können als Elemente einer möglichen Identifikation Kentenichs mit der UNITAS auch deren „Internationalität“ und das „soziale Engagement“ benannt werden.“

 

Pallottiner und Schönstätter in der UNITAS

 

Josef Kentenich blieb nicht der einzige Pallottiner bzw. Schönstätter in der UNITAS, weist Bbr. Braun nach. So fanden spätere Spirituale, Direktoren von Studienhäusern des Ordens, etwa in Südafrika oder Vize-Provinzial ihren Weg in die UNITAS: „Der wohl bekannteste unitarische Schönstätter war jedoch der ehemalige Bischof von Münster, Bbr. Heinrich Tenhumberg. ... Mehr noch als Kentenich, der zeitlebens inaktives Mitglied des Verbandes blieb, repräsentierte Tenhumberg die selbstverständliche Vereinbarkeit von Mitgliedschaft in der UNITAS und Schönstättischer Bindung.“ In seiner Würdigung hält der Autor fest: „Die UNITAS kann stolz darauf sein, Josef Kentenich, den Gründer der Schönstattbewegung, in ihren Reihen zu haben und ihn einen Bundesbruder nennen zu dürfen.“


 

Der gesamte Artikel zum DOWNLOAD aus: unitas 1/2009, 46-51


Veröffentlicht am: 20:37:39 16.03.2009
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